Kathia aus Lüneburg / "Ein Häppchen Liebe"


Heute: Kathia aus Lüneburg
Blog: Ein Häppchen Liebe
http://einhaeppchenliebe.de/

• Name deines Foodblogs
> Ein Häppchen Liebe

• Stell’ dich doch einmal kurz mit Namen, Alter, Wohnort, Beruf und Hobbys vor
> Kathia, 28 Jahre, verheiratet. Gerade im Herbst letzten Jahres aus Hamburg nach Lüneburg gezogen. Momentan arbeite ich als Freelancerin im Bereich Social Media Management und Kommunikationsberatung, bin aber auch der Suche nach meinem Traumberuf. Ich würde gern beruflich kochen, backen, Rezepte ausprobieren und entwickeln und darüber schreiben. Also als Foodredakteurin meine Leidenschaft zum Beruf machen. Mein liebstes Hobby ist das Reisen. Ich liebe es neue Städte und Kulturen kennenzulernen. Als gelernte Touristikerin fühle ich mich in der ganzen Welt zuhause und bin ständig vom Fernweh geplagt. Und unterwegs sammle ich immer so viele schöne Inspirationen zum Nachkochen und -backen.

• Was unterscheidet deinen Blog von den Anderen?
> Hmm, meine Persönlichkeit Ich habe sehr bodenständige Rezepte, ohne viel Schnick Schnack. Mein Blog ist genauso wie ich. Er redet gern und viel, verrät ab und an mal ein paar private Details und steckt voller Lieblingsrezepte. Essen, das mich seit vielen Jahren begleitet, mit dem ich Emotionen und Erinnerungen verbinde. Dazu versuche ich das Verständnis dafür zu schärfen, wann welches Obst und Gemüse eigentlich Saison hat. Regionale und saisonale Küche mit norddeutschem Understatement beschreibt es vielleicht am besten.

• Was hat dich dazu motiviert, einen Blog zu starten? Und warum überhaupt ein Foodblog?
> Ich habe sehr oft leckere Rezepte aus dem Bauch heraus gekocht, mir aber nie aufgeschrieben, was ich da eigentlich fabriziert habe. Oft bin ich dann von Freunden gefragt worden, ob ich ihnen das Rezept schicken könnte. Da wusste ich aber schon nicht mehr ansatzweise, was ich damals eigentlich gemacht hatte. Das war aber nur eine der vielen Gründe, aus denen ich nun ein virtuelles Rezeptbuch für meine Familie und Freunde habe. Ich habe in den letzten Jahren häufig gemerkt, dass alte Rezepteklassiker in unserer Generation verloren gehen. Die Rezepte von Mama und Oma, die wir alle so lieben und die uns einfach glücklich machen. Wir reißen heute die Tüte auf und fertig ist der Vanillepudding. Unsere Großeltern hatten solche Hilfsmittel früher aber auch nicht. Deswegen treibt es mich innerlich immer an, Convenience-Produkte selber zu machen. Dann weiß ich wenigstens zu 100 %, was in meinem Essen drin ist. Und als letztes ist der Blog mein Ausgleich. Hier kann ich schreiben, kochen und backen was ich will. Ich kann kreativ sein und alles tun was ich liebe.

• Wer oder was hat in dir die Leidenschaft für das Kochen/Backen geweckt?
> Defintiv meine Familie. Meine Mutter hat früher jeden Tag nach der Schule für uns frisch gekocht. Ihre Aufläufe sind noch heute Klassiker. Mein Papa liebt es zu grillen und macht einen fantastischen Schweinebraten. Meine eine Oma ist eine kleine Meister-Bäckerin, die schönere Torten zaubert als jede Konditorei. Meine andere Oma backt den besten Pflaumenkuchen der Welt. Ich habe früher schon immer gern beim Kochen geholfen und zugeschaut. Ich finde es so spannend, wie aus frischen Zutaten ein tolles Essen entsteht und wie glücklich gutes Essen Menschen macht.

• Büro, Café, vom heimischen Sofa oder direkt aus der Küche – von wo aus bloggst du?
> Am liebsten auf meinem Sofa, am Wochenende morgens im Bett, auf dem Balkon… Aber unterwegs habe ich nun auch immer Stift und Zettel parat. Oft sehe ich etwas und da kommt mir eine Idee. Die muss festgehalten werden, sonst ist sie ganz schnell schon der nächsten Idee gewichen. Bloggen beginnt bei mir also im Kopf. Oft hält es mich vom Schlafen ab, weil mir dann im Bett noch eine Idee kommt. Aber so ist das mit Kreativität. Sie lauert überall und ich liebe es.

• Gibt es Lebensmittel, mit denen man dich jagen kann?
> Ja leider und ganz untypisch norddeutsch mit den meisten Fischsorten. Ich finde das selber so schade, aber bei Meeresfrüchten, Lachs oder Matjes wird mir richtig schlecht. Innereien und Hüttenkäse sind auch so gar nicht meins. Häufig hat es bei mir tatsächlich etwas mit der Konsistenz zu tun. Alles was irgendwie gummiartig oder glitschig ist, bekomme ich nicht runter.

• Und auf der anderen Seite: Gibt es Lebensmittel, die du am liebsten überall verwenden würdest?
> Das kommt ganz auf die Jahreszeit drauf an, aber ich bin schon immer sehr traurig, wenn die Zeit von Rhabarber, Erdbeeren und Kirschen wieder zu Ende ist. Deswegen habe ich dieses Jahr allein 5 Kilo Rhabarber klein geschnitten und eingefroren. Und ich liebe Hackfleisch. Ob Frikadellen, Bolognese, nur Schwein, gemischt oder reines Rind… Hack könnte ich jeden Tag essen. Besonders seitdem ich einen Fleischwolf habe und es selber durchlassen kann.

• Welches Land ist deiner Meinung nach eine kulinarische Reise wert?
> Puh, das ist schwierig. Die USA reizt mich einfach, weil es da abseits der üblichen Fast Food Ketten richtig gutes Essen gibt. Denn ich liebe Burger, Cheesecake, Brownies, Bagel und Co einfach. Für die amerikanischen Leckereien habe ich echt eine Schwäche. Kulinarisch gesehen habe ich aber noch nie besser gegessen als in Griechenland auf Kreta. Wir sind mit einem Roller fast 1.200 km über die ganze Insel gedüst und haben unterwegs in kleinen Restaurants gegessen. Ich persönlich liebe Moussaka und Dolmadakias. Überall hat es anders geschmeckt, oft stand noch die Oma selber am Herd. Ich hab selten ein so gastfreundlicheres Land erlebt, das kulinarisch so viel mehr zu bieten hat als nur Gyros.

• Hast du irgendeine Macke, die besonders beim Kochen/Backen deutlich wird?
> Ich bin super ungeduldig und werde schnell unruhig, wenn etwas nicht so klappt, wie ich es möchte. Dann kommt mein Temperament durch und ich fange auch mal an zu fluchen.

• Auf was kannst du beim Werken in der Küche so gar nicht verzichten?
> Platz – und davon hab ich niiieee genug. Ich brauche immer viel Abstellfläche. Meistens wird dann auch noch der Esstisch im Wohnzimmer mit eingespannt. Aber grundsätzlich bräuchte ich allein eine 100 qm Küche, um ansatzweise auszukommen. Was mit Sicherheit auch an meiner stetig wachsenden Backform- und Kochutensilien-Sammlung liegt.

• Was ist deine Inspirationsquelle? Und wo befindet sie sich?
> Überall. Ich liebe Koch- und Backbücher, lese aber auch viele Magazine. Dann noch die Vielzahl toller Blogs. Oft sehe ich auch nur etwas im Fernsehen, auf der Straße oder im Restaurant. Eigentlich dreht sich 90 % meines Tages um das Thema Essen. Was ich mal wieder kochen könnte, worauf ich Lust habe, was ich schon immer mal ausprobieren wollte.

• Ganz unter uns: Wie sieht es bei dir in der Küche nach deinem Experimentieren aus?
> Ich persönlich fühle mich erst dann wohl und weiß, dass das Rezept Potential hat, wenn ich die Küche danach komplett putzen muss. Meistens ist überall Mehl und Zucker verteilt, der Boden klebt und ich muss duschen. Dann bin ich voll in meinem Element und richtig glücklich.

• Welches Hilfsmittel aus deiner Küche begleitet dich seit deinem Blogdebüt und wird wahrscheinlich nie ausgetauscht?
> Meine liebesapfelrote KitchenAid namens „Cinnamon“. Ich habe sie von allen meinen Lieben gemeinsam zum 27. Geburtstag geschenkt bekommen und bin komplett sprachlos in Tränen ausgebrochen. Das ist mir bisher nur ein weiteres Mal passiert und das war beim Antrag meines Mannes in Dublin.

• Hand auf ’s Herz: Sehen deine Gerichte immer so perfekt aus oder geht auch mal etwas schief?
> Bei mir geht IMMER etwas schief und es wird NIE so, wie ich mir das eigentlich gedacht habe. Aber genau das finde ich so spannend. Ich überrasche mich beim Kochen und Backen immer wieder aufs Neue.

• Folgst du dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ oder ist für dich das Verkosten am Ende das Wichtigste?
> Tatsächlich liebe ich den Prozess des Kochens und Backens fast mehr. Das Abschmecken, überlegen, was noch dazu passen könnte und die Entwicklung zu sehen, die das Gericht macht, finde ich einfach faszinierend. Aber natürlich freue ich mich am Ende auch aufs Essen. Denn meistens entstehen meine Rezepte im Kopf und da kann ich dann sehen, ob die Kombi auch wirklich so gut zusammenpasst, wie ich mir das vorgestellt habe.

• Gute Gerichte und Lebensmittel verlieren zunehmend an Wert. Woran liegt das und was kann bzw. sollte man dagegen tun?
> Ich finde, das kommt ganz darauf an: Gerade die Streetfood-Kultur in den Großstädten schärft wieder das Bewusstsein dafür, was für gutes Essen wir produzieren können, wenn wir mehr Wert auf Qualität statt Quantität setzen. Und auch in vielen inhabergeführten Restaurants und Bars wird wieder mehr Wert auf regionale und saisonale Erzeugnisse gelegt. Und auch in den Supermärkten haben wir heutzutage so viel Vielfalt wie nie zuvor. Wir brauchen nicht mehr auf Essen aus dem TK-Bereich voller Zusatzstoffe zurückgreifen. Wir müssen uns nur den Alternativen bewusst sein. So können wir als Verbraucher auch steuern, was am Ende im Supermarkt bleibt. Gleichzeitig haben wir im Alltag immer weniger Zeit, selbst zu kochen. Ich bin sehr froh, dass ich in einem Haus aufgewachsen bin, in dem mir von klein auf beigebracht wurde, Lebensmittel zu verarbeiten. Viele Gerichte sind ohne viel Aufwand schnell gemacht. Ich weiß, dass dies leider nicht überall der Fall ist. Umso wichtiger wäre es in meinen Augen, Kinder schon im Schulalter besser zu informieren, Lebensmittelkunde verstärkt mit in den Unterricht aufzunehmen und ein gesundes Verhältnis zum Thema Essen zu schaffen.

• Wie privat ist dein Blog? Was gehört für dich ins Internet und was nicht?
> Privater, als ich am Anfang geglaubt hätte. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und erzähle gern ein paar Anekdoten aus meinem Leben. Das gehört für mich einfach dazu. Weil meine Gerichte oft aus Launen heraus entstanden sind. Grundsätzlich werden auf meinem Blog nur die namentlich erwähnt oder bildlich festgehalten, die das auch wirklich möchten. Jeder sollte selber entscheiden, ob er eine Rolle im Internet spielen möchte oder nicht.

• Hast du dein Smartphone oder deinen Laptop rund um die Uhr parat oder gibt es Zeiten, in denen du offline bist und es auch bleibst?
> Auch durch meinen Beruf bedingt, ist das Smartphone zu meinem ständigen Begleiter geworden. Manchmal finde ich auch hier nicht die Balance und kann es einfach nicht weglegen. Allerdings, wenn ich verabredet bin oder unterwegs, versuche ich mir bewusst Auszeiten zu schaffen und mache das Ding auch mal aus. Nicht immer mit Erfolg ;-)

• Wie wichtig ist dir die Anzahl deiner Leser?
> Mein Mann kümmert sich um alles, was mit Zahlen zu tun hat. Allein deswegen bin ich da schon immer gar nicht so up to date. Ich finde es natürlich ab und zu ganz spannend zu sehen, welcher Blog-Beitrag am meisten gelesen wird und gut ankommt. Aber darauf kommt es mir am Ende nicht an. Selbst wenn ich nur einen Leser mit diesem Rezept glücklich gemacht habe, hat sich der Aufwand schon gelohnt.

• Bloggst du für dich oder für die Welt?
> Der Blog gibt mir viel mehr, als ich jemals zurückgeben könnte. Ich kann schreiben, fotografieren, kochen und backen – eben alles was ich liebe und mich glücklich macht. Und ganz nebenbei entsteht für meine Freunde, Familie und mich, ein virtuelles Kochbuch. Kein Rezept geht mehr verloren. Ich freue mich über jeden Kommentar, jeden neuen Leser oder Abonnenten. Aber am Ende, ist es vor allem mein Herzensprojekt, mit dem ich mir einen Traum erfüllt habe.

• Welche deiner „Kollegen“ schätzt du am meisten?
> Ich finde es unglaublich schwer, da einen auszusuchen. Aber der erste Blog, über den ich gestolpert bin und der mich fasziniert hat, ist der Kleine Kuriositätenladen von Steffi aus Hamburg. Was sie da seit vielen Jahren auf die Beine stellt, ist bemerkenswert und ich mag ihre herrlich offene und ehrliche norddeutsche Art.

• Ohne welche Musik kannst du nicht leben/kochen?
> Ich höre echt selten Musik. Das liegt einfach daran, dass ich mich gern konzentriere und die Ruhe und Stille oft genieße. Aber, wenn ich mich entscheiden müsste: Mein großer Bruder hat mich in meiner Kindheit schon sehr früh mit Hip Hop beschallt. Das ist bis heute hängen geblieben und Samy Deluxe ist für mich bis heute einer der ganz großen Poeten des Deutschen Hip Hops.

• Mit welchem Koch würdest du gerne mal ein Menü herrichten?
> Kochen: Wahrscheinlich Jamie Oliver. In seiner kleinen Backsteinküche auf dem Land, mit Zutaten frisch aus dem Garten.
> Backen: Cynthia Barcomi – ich liebe ihre herzliche amerikanische Art und habe jedes ihrer Backbücher. Ihr Café und Deli stehen eigentlich bei jeder Berlin-Reise auf dem Plan.

• Welches Kochbuch würdest du nie aus der Hand geben?
> Kochbuch: Auf die Hand von Stevan Paul
> Backbuch: Die Cynthia Barcomi Reihe

• Wie groß ist deine Küche?
> Puhh, nicht allzu groß. Ca. 12 qm mit einer fest eingebauten Küchenzeile.
Ich hätte gern auf der anderen Seite auch nochmal eine Zeile mit Arbeitsfläche und Küchenschränken. Aber meine Traumküche verwirkliche ich mir später einmal im eigenen Haus. Darauf freue ich mich jetzt schon

• Was macht eine Foodbloggeschichte für dich lesenswert?
> Das ist ein Zusammenspiel aus ganz vielen Faktoren: Bilder, Rezept, Zutaten, Kreativität… Aber am wichtigsten finde ich persönlich, dass ich als Leser merke, dass der Blogger zu Hundertprozent hinter dem steht, was er da schreibt und Persönlichkeit zu erkennen ist.

• Und zu guter Letzt ein Klassiker: Wenn du die Zeit zurückspulen könntest, was würdest du an deinem Leben (und vielleicht an deinem Blog) ändern?
> Ich hätte mir viel früher ans Herz gefasst und einen Blog auf die Beine gestellt, denn selten hat ein Projekt mich so glücklich gemacht.

• Wen oder was würdest du auf eine einsame „Kochinsel“ mitnehmen? TOP3

> Foodblogs:
1. Kleiner Kuriositätenladen
2. S-Küche
3. Caro in the Kitchen

> Kochbuch:
1. Stevan Paul – Auf die Hand
2. Cynthia Barcomi – Cheesecakes, Pies & Tartes
3. Jamie Oliver – Comfort Food

> Musikalbum:
1. Samy Deluxe
2. Lena Meyer-Landruth
3. Justin Timberlake

> Kochutensilie:
1. Kitchen Aid
2. scharfes Kochmesser
3. Löffel

• Salz oder Pfeffer?
> Salz

• Bier oder Wein?
> Bier

• Süß oder Herzhaft?
> Erst süß, dann herzhaft, dann wieder süß – ich könnte nicht ohne das eine oder andere.

• Hauptgang oder Dessert?
> Beides Aber wenn ich mich entscheiden müsste: Hauptgang

• „Early Bird“ oder „Night Owl“?
> Beides! Es gibt nichts besseres als morgens, wenn noch alle schlafen, zu backen und abends wenn alle zu Bett gehen zu schreiben.

• Ordnungsfanatiker oder Dreckspatz?
> Dreckspatz und es nervt mich ganz furchtbar.

• Kaffee oder Tee?
> Kaffee!

• Lieblings...:
> ...messer: Mein Rösle Santokumesser
> ...gewürz: Zimt! Das kommt überall rein. Egal, ob süß oder herzhaft.
> ...koch: Ändert ständig und andauernd – Tim Mälzer, Jamie Oliver, ...
> ...kochzeit/tag: Am liebsten ununterbrochen.
> ...rezept: Auf meinen Gurken-Basilikum-Ingwer-Sirup bin ich sehr stolz!

Fotos © Kathia http://einhaeppchenliebe.de/