Julia aus Ostfildern / zartbitter & zuckersüß


Heute: Julia aus Ostfildern
Blog: https://zartbitter-und-zuckersuess.de/

• Name deines Foodblogs
> Mein Blog heißt zartbitter & zuckersüss

• Stell’ dich doch einmal kurz mit Namen, Alter, Wohnort, Beruf und Hobbys vor!
> Mein Name ist Julia, ich bin 41 Jahre, wohne seit über zehn Jahren in Stuttgart und bin Beauftragte für Chancengleichheit. Meine Lieblingsbeschäftigungen und Hobbys haben immer mit Genuss, Essen, Wein, Whisky, Gin, Büchern, also Koch- und Backbüchern zu tun und Reisen. Vor ein paar Jahren habe ich aber auch das „Gärteln“ für mich entdeckt und natürlich ist mein Blog meine große Leidenschaft

• Was unterscheidet deinen Blog von den Anderen?
> Schwierige Frage, aber ich würde sagen, es sind oftmals komplizierte und etwas aufwändigere Süßigkeiten und Teilchen, die ich Schritt für Schritt für meine Leserinnen und Leser erkläre. Ich liefere aber auch sehr viel Hintergrundwissen so z.B. ist bei meinem Brotrezept auch ein Rezept für den Ansatz von Sauerteig dabei oder die Erklärung was man mit welchem Mehltyp machen kann und was es mit der Tonda gentille aus dem Piemont auf sich hat. Teilweise versuche ich alte Zutaten oder Rezepte umzuschreiben auf das was es heute noch gibt, ich probiere viele neue Kombinationen aus und möchte meine Leserinnen und Leser wieder für das Kochen begeistern. Ich biete also viel Wissen und Informationen neben meinen Rezepten und ich mag meine Fotos sehr.

• Was hat dich dazu motiviert, einen Blog zu starten? Und warum überhaupt ein Foodblog?
> Ich koche bereits seit ich denken kann… ich liebe alles was mit Genuss und den verschiedenen Zubereitungsarten zu tun hat und habe hier auch immer viele Gäste zu Besuch. Die meisten möchten im Nachhinein immer gerne die Rezepte, sind aber nicht immer in der Lage alles ohne Erklärung umzusetzen oder nachzukochen. Dazu kommt, dass meine Freunde in ganz Deutschland verteilt sind und bevor ich dann Mails schreibe, habe ich angefangen zu bloggen. Kochen und backen sind meine Leidenschaft und die möchte ich gerne teilen. Was liegt da näher als einen Foodblog zu starten

• Wer oder was hat in dir die Leidenschaft für das Kochen/Backen geweckt?
> Das waren meine Oma und meine Mutter… ich durfte schon immer in der Küche mithelfen, schnippeln, probieren… Kartoffel-Wettschälen mit der Oma… gewonnen hatte die, die die längste Schale schälen konnte… natürlich hat sie mich immer gewinnen lassen, aber eigentlich war sie die bessere Schälerin. In meiner Familie spielt das Thema Genuss schon immer eine große Rolle – nicht allein deswegen, weil ich ganz in der Nähe von Frankreich aufgewachsen bin und viele meiner Verwandten dort wohnen… An Festtagen gab es regelrechte Genuss-Gelage, immer dabei war gutes Essen und guter Wein… nur Selbstgemachtes kam auf den Tisch… Ich kann einfach nicht anders als alles selbst zuzubereiten. Was gibt es auch schöneres aus vielen Zutaten etwas ganz neues und kreatives zu schaffen… jedes Mal aufs Neue

• Büro, Café, vom heimischen Sofa oder direkt aus der Küche – von wo aus bloggst du?
> Mmh… ich würde sagen überall ein bisschen. Die Rezeptidee habe ich oft wenn ich draußen bin, auf dem Markt oder mit Freunden unterwegs bin. Die Rezepte ausprobieren und aufschreiben erledige ich in der Küche, die Fotos zu meinen Beiträgen entstehen während ich das Essen zubereite, weil ich ja teilweise Schritt für Schritt Erklärungen erstelle. Die Beiträge schreibe ich nach Lust und Laune auf der Couch, im Café oder auf der Liege unter dem Sonnenschirm.

• Gibt es Lebensmittel, mit denen man dich jagen kann?
> Es gibt ganz wenige Dinge, die ich nicht esse, aber Okra Schoten gehören dazu und Kutteln. Bei mir gibt es die Regel, alles ein oder zweimal zu probieren… ich habe es wirklich versucht, aber ich kann mich mit diesen beiden Dingen einfach nicht anfreunden.

• Und auf der anderen Seite: Gibt es Lebensmittel, die du am liebsten überall verwenden würdest?
> Für eine Foodliebhaberin wie mich ist das eine ganz schwierige Frage… ich mag so viele Lebensmittel und entdecke auch immer wieder neue oder alte Zutaten wieder… manchmal probiere ich auf dem Markt eine Frucht, die unscheinbar ist und flippe fast aus, weil sie geradezu perfekt geerntet wurde… dann muss mein Partner leider da durch und es gibt in den Folgewochen alles mit dieser Zutat… aber es gibt tatsächlich zwei Dinge die ich echt liebe: Eis und Knoblauch… nicht in Kombination, aber jedes für sich…

• Welches Land ist deiner Meinung nach eine kulinarische Reise wert?
> Ich würde sagen jedes Land hat kulinarisch gesehen etwas zu bieten. Meine liebsten sind im Moment Italien, weil es so wunderbar vielfältig, bodenständig und vor allem leidenschaftlich ist. Und dann bin ich sehr angetan von der thailändischen Küche, vor allem von den Street Food Küchen und dem Essen auf den Nachtmärkten… traumhaft!!! Aber auch Frankreich hat so viel zu bieten… denkt man nur mal an Choux, Eclair oder Profiterol

• Hast du irgendeine Macke, die besonders beim Kochen/Backen deutlich wird?
> Ganz sicher hab ich die, aber mir fällt es so nicht auf und ich würde es auch eher als Umsetzungsbestandteil sehen. Aber vielleicht ist es das, dass ich alles immer genau durchplanen muss und mein Arbeitsplatz penibel aufgeräumt ist. Ich ertrage kein Chaos in der Küche, in meinem Büro hingegen schon.

• Auf was kannst du beim Werken in der Küche so gar nicht verzichten?
> Auf scharfe Messer und ein gutes Schneidebrett. Dazu muss immer noch gute Musik dabei sein und oft darf auch ein Gläschen Wein nicht fehlen.

• Was ist deine Inspirationsquelle? Und wo befindet sie sich?
> Meine Inspirationsquelle ist in erster Linie der Wochenmarkt bzw. die Markthalle in Stuttgart. Daneben auch Koch- und Backmagazine sowie –bücher… Ich sammle beides und besitze sicherlich 400 – 500 Koch- und Backbücher, mein ältestes ist von 1894. Es ist so wunderbar darin zu schmökern und zu sehen was damals schon alles möglich war. Neben Dachsbraten und Bärentatzen mit Sauce gab es tatsächlich schon Eis. Inspiration sind für mich aber auch meine Bloggerkolleginnen und –kollegen, die unendlich viele kreative Ideen haben.

• Ganz unter uns: Wie sieht es bei dir in der Küche nach deinem Experimentieren aus?
> Meistens sehr ordentlich… Du weißt ja, meine Macke ;)

• Welches Hilfsmittel aus deiner Küche begleitet dich seit deinem Blogdebüt und wird wahrscheinlich nie ausgetauscht?
> Ich liebe mein mega scharfes Sandoku Messer… ohne das geht nichts.

• Hand auf ’s Herz: Sehen deine Gerichte immer so perfekt aus oder geht auch mal etwas schief?
> Ok unter uns: es geht natürlich auch mal was schief, wäre auch komisch wenn nicht, denn einige meiner Rezepte sind ja neu… oft ist das so bei Brot oder Kuchenrezepten, da kann man manchmal schon sagen, das ist ne steinharte Waffe geworden oder ne Flunder. Oder aber auch eine Mousse oder Créme die nicht fest wird… was hab ich schon für tolle Shakes gehabt *lach* Die Herzmacarons zum Valentinstag habe ich dreimal gebacken… sie sahen fürchterlich aus und wollten einfach keine „Füsschen“ bekommen… platt wie ne Flunder. Aber ich bin natürlich immer bemüht meine Gerichte perfekt und hübsch herzurichten...aaber alle meine Gerichte sind essbar, ich verwende zum Foodstyling keine Tricks wie beispielsweise Glycerin, um die Wassertropfen hübsch zu zeigen.

• Folgst du dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ oder ist für dich das Verkosten am Ende das Wichtigste?
> Es ist von beidem etwas: Bei neuen Rezepten ist der Weg natürlich das Ziel, aber ohne probieren und verkosten geht gar nichts… ich verhungere ja auch sonst…

• Gute Gerichte und Lebensmittel verlieren zunehmend an Wert. Woran liegt das und was kann bzw. sollte man dagegen tun?
> Ich sehe das anders: ich glaube, dieses Frage kann man nicht so beantworten. Ich stelle fest, es ist eine Frage des Alters ob man sich für gute Ernährung entscheidet. Vielleicht ist es in jüngeren Jahren nicht ganz so wichtig die Lebensmittel aus dem Bioladen zu beziehen. Wichtiger scheint da der Heiratsmarkt oder die Familiengründung zu sein *lach*. Es gibt einfach zu viele Bienchen und Blümchen die sich erst finden müssen ;) Ich stelle aber fest, dass so im Alter zwischen 30 und 40 Jahren durchaus ein großes Interesse an hochwertigen Lebensmitteln, hoher Qualität und guten Gerichten wieder wächst. Wenn ich z.B. Beiträge über selbstgebackenes Brot schreibe, gehen die Leserzahlen, Reaktionen und Nachfragen ziemlich in die Höhe. Bioläden und –höfe schießen aus dem Boden, die Koch- und Backbuchbranche im Bereich Clean Eating und Paleo boomt und findet reißenden Absatz. Ich als Bloggerin werbe natürlich auch dafür Essen zu zelebrieren und viele Dinge einfach mal selbstzumachen. Und ganz oft bekomme ich Rückmeldungen von meinen Leserinnen und Lesern, dass es sich gelohnt hat und das sie das jetzt wieder öfter machen.

• Wie privat ist dein Blog? Was gehört für dich ins Internet und was nicht?
> Mein Blog spiegelt natürlich Teile meines Privatlebens und ein Stück meiner Persönlichkeit wider. Und das ist auch gut so… ich brenne für das Thema Ernährung, Genuss, ich erzähle gerne Geschichten (natürlich nur welche die auch passiert sind), ich zeige Bereiche aus meinem Leben. Relativ zurückhaltend bin ich beim Thema Job, der sollte im Internet keine Rolle spielen.

• Hast du dein Smartphone oder deinen Laptop rund um die Uhr parat oder gibt es Zeiten, in denen du offline bist und es auch bleibst?
> Ich muss gestehen, dass ich ein ziemlicher Smartphone und Laptop Junkie bin. Seit ich den Blog betreibe noch mehr. Aber ich gönne mir schon auch mal eine analoge Auszeit und kann es mittlerweile sogar genießen… ein bisschen… wenn es nicht zu lange ist

• Wie wichtig ist dir die Anzahl deiner Leserinnen und Leser?
> Ich schreibe meinen Blog, weil ich Essen, Nahrungsmittel, Genuss und schöne Geschichten und Rezepte mag, weil ich ein sehr kreativer Mensch bin und das auch gerne in die Welt hinaus trage. Die Anzahl und die Interaktion meiner Leserinnen und Leser auf dem Blog oder in den Social Media Kanälen ist für mich spannend, witzig und auch eine kleine Belohnung.

• Bloggst du für dich oder für die Welt?
> Für beides… zum bloggen gehört schon etwas Enthusiasmus, Fleiß, Kreativität und viel Fachwissen… klar schreibe ich aber auch für mich… mein Partner hat mal gesagt: „Du kochst so lecker, aber es ist schade, dass es alles nur einmal gibt“… mit den Rezepten auf dem Blog hat er die Chance, die Rezepte die ihm geschmeckt haben auch mal nachzukochen

• Welche deiner „Kollegen“ schätzt du am meisten?
> Ich habe so viele wunderbare, gute, kreative, interessante, lustige und absolut herzliche Blogger-Kolleginnen und Kollegen… diese neue Welt die sich mir hier eröffnet hat ist einfach großartig… in den letzten 17 Monaten habe ich so viele tolle Menschen kennengelernt… ich mag Menschen die offen und ehrlich sind aber auch witzig und mal Fünfe gerade sein lassen, mit denen man Spaß haben, aber auch ernsthaft diskutieren kann und vor allem jede mit denen man philosophieren kann bei einem guten Glas Wein

• Ohne welche Musik kannst du nicht leben/kochen?
> Ich weiß, dass ist jetzt nicht Mainstream, vielleicht auch Oldscool und unmodern, aber zum Kochen (und Putzen) mag ich ABBA ganz gerne, aber auch deutsche Musik von Laith al deen, Xavier Naidoo, Frieda Gold, Fräulein Blumenblatt, Münchner Freiheit, Johannes Oerding oder Joris. Ganz gerne mag ich auch Jazz von Diana Krall… Zaz finde ich auch gut…

• Mit welchem Koch würdest du gerne mal ein Menü herrichten?
> Um genau zu sein sind es zwei Köche und eine Köchin: Juan Amador und Christian Bau uuuund Lea Linster. Alle drei sind in meinen Augen ganz großartige KöcheInnen, die in Perfektion nicht zu überbieten sind. Juan Amador finde ich mega interessant, er ist ein Zauberkünstler für mich… wegen seiner Erfahrungen in derMolekularküche… er schafft es einfach ganz wunderbare Kompositionen zusammenzuführen und ganz neu zu kreieren. Christian Bau ist für mich ein Genuss Dirigent: Er schafft es auf ganz einzigartige Weise die unterschiedlichsten Styles zusammenzubringen und sie miteinander zu verbinden. Das Ambiente in seinem Restaurant ist für die gehobene Gastronomie wunderbar gemütlich, stimmig und absolut perfekt.
Und Lea Linster finde ich einfach als Person so wunderbar… Pure Leidenschaft beim Kochen…

• Welches Kochbuch würdest du nie aus der Hand geben?
> Das sind auch drei Stück: das eine ist von meiner Mutter. In diesem Buch sind leider mehr schlecht als Recht die Lieblingskuchen notiert. Die anderen beiden Kochbücher sind zwei sehr alte Kochbücher: eines von meiner Oma, von 1940 und eines das ich mal gesteigert habe von 1894. Es ist sooo interessant zu lesen, wie man in diesen Zeiten mit Lebensmitteln umgegangen ist, welche Themen im Haushalt unsere Vorfahren beschäftigt haben und wie sie mit den Problemen umgegangen sind. Kleiner Tipp: Solltest Du mal Bärentatzen oder Dachsbraten machen, legt das Fleisch erst mal ein paar Tage in Rotwein ein, dass wird dann schon

• Wie groß ist deine Küche?
> Meine Küche ist leider nicht ganz so groß wie ich sie gerne hätte, aber in einem Reihenhäuschen hatte ich da nicht ganz so viel Alternativen. Die genauen Maße sind 3 m x 3,5 m. Ich würde aber sagen, dass ich den Platz optimal ausgenutzt habe und ich würde die Küche wieder genauso einrichten.

• Was macht eine Foodbloggeschichte für dich lesenswert?
> Da gibt es genau drei Dinge: gute Geschichten, tolle Rezepte und schöne Bilder.

• Und zu guter Letzt ein Klassiker: Wenn du die Zeit zurückspulen könntest, was würdest du an deinem Leben (und vielleicht an deinem Blog) ändern?
> Ich würde wahrscheinlich einen anderen Beruf wählen. Ein Beruf, der es mir ermöglicht auf der ganzen Welt zu arbeiten. Es gibt so viele tolle Fleckchen Erde die unbedingt noch entdeckt oder gefunden werden müssen… unzählige Länder mit gutem Essen, tollen Menschen, schönen Geschichten…

Mit meinem Blog bin ich sehr zufrieden… ich glaube, ich würde wieder alles genauso machen… nur früher damit anfangen
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Wen oder was würdest du auf eine einsame „Kochinsel“ mitnehmen? TOP3

> Foodblogs:
1. herzelieb – sie kann super kochen und sie kann Bäume fällen
2. photolixious – sie macht die schönsten Fotos und es muss ja alles festgehalten werden
3. Kochjunkie – Er hat immer allerbeste Laune

> Kochbuch: das ist sooooo schwer…
1. Macarons – Pierre Hèrmes
2. Der Silberlöffel - Clelia d'Onofrio
3. Auf die Hand – Stevan Paul und Daniela Haug

> Musikalbum:
1. ABBA – The greatest Hits
2. Kuschelrock – Die größten deutschen Liebeslieder
3. Diana Krall – Christmas Songs

> Kochutensilie:
1. Sandoku Messer
2. Schneidebrett
3. Blender – sofern ich da Strom hab
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Salz oder Pfeffer?
> Salz

Bier oder Wein?
> Wein

Süß oder Herzhaft?
> Beides *ätsch

Hauptgang oder Dessert?
> genau in der Reihenfolge, aber ich bin eigentlich eher für Dessert

„Early Bird“ oder „Night Owl“?
> klare Night Owl… ich laufe erst richtig warm, wenn andere schon wieder ins Bett gehen

Ordnungsfanatiker oder Dreckspatz?
> In der Küche Ordnungsfanatikerin, an anderen Stellen z.B. Büro und Keller eher Dreckspatz

Kaffee oder Tee?
> KAFFEE
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Lieblings...:
> ...messer: Sandoku Messer von Porsche
> ...gewürz: Thymian
> ...koch: Christian Bau
> ...kochzeit/tag: abends/immer
> ...rezept: unspektakuläre selbstgemachte Pasta mit Tomatensugo, gibt’s jeden Freitag bei mir

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Vielen Dank, liebe Julia, dass du dir die Zeit genommen hast, uns unsere Fragen zu beantworten!
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Hast du auch einen Blog? Möchtest Du, dass wir dich und deinen Blog vorstellen? Dann schick uns eine E-Mail an: redaktion@germanfoodblogs.de

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Fotos © Julia https://zartbitter-und-zuckersuess.de/