Sue aus St. Pauli / "Fleischfee"


Heute: Sue aus St. Pauli
Blog: https://fleischfee.com

• Name deines Foodblogs
> Blutig, medium und völlig durch! Obwohl durch die URL viele denken, er hieße Fleischfee. Das ist jedoch nur mein Pseudonym

• Stell’ dich doch einmal kurz mit Namen, Alter, Wohnort, Beruf und Hobbys vor!
> Ich bin die Sue, Ich höre allerdings auch auf den Namen Fleischfee. Momentan bin ich 37 Jahre alt. St. Pauli in Hamburg ist seit 11 Jahren meine Heimat. Ich bin als waschechte Kieler Sprotte geboren. Gelernt habe ich mal Köchin, dann war ich ewig als Kellnerin und in der Eventbranche unterwegs. Seit Mitte Juli bin ich staatlich geprüfte Betriebswirtin. Den Titel habe ich an der Hotelfachschule erworben. Die Masse streitet noch ob es ein Studium ist oder nicht. Ich sage ja, weil es dieselben Inhalte wie im Bachelor Studium sind. Meine Hobbies sind Musik hören, singen und tanzen. Ganz besonders liebe ich auch das Reisen. Ich will die Welt sehen aber vor allem jede Ecke der USA entdecken. Außerdem lese ich total oldschool gern echte Bücher, aus Papier.

• Was unterscheidet deinen Blog von den Anderen?
> Das besondere mein Blog ist auf meine Leidenschaft ausgerichtet, Hip Hop. Themenmäßig habe ich mal begonnen um die Stories aus meinem Berufsleben aufzuschreiben. Deswegen hat der Blog auch den Untertitel >Gast und Gastronom – wenn zwei Welten aufeinandertreffen<. 
Dann fand ich es sinnvoll, die ganzen Restaurantkritiken, die ich damals bei Qype schrieb einzufügen. So konnte ich beide Seiten beleuchten, irgendwann kamen Rezepte und Produkttests hinzu, Events werden auch noch eine Rubrik bekommen. Auch das Reisen hat seinen Platz gefunden und nun ist er ein bunter Mix aus meinem Leben. Da ich im Tourismus Marketing meine Zukunft sehe und es gut mit Gastronomie zusammen passt gab es nicht viel zu überlegen. Ich bin also kein Food Blog im herkömmlichen Sinne, sondern einfach anders!

• Was hat dich dazu motiviert, einen Blog zu starten? Und warum überhaupt ein Foodblog?
> Ich habe so viel in meiner beruflichen Laufbahn erlebt und mit den Stories habe ich viele meiner Freunde, über Jahre, sehr gut unterhalten. Da dachte ich: „Hey man, das gibt es noch gar nicht. Ein Buch über das Leben in der Gastronomie.“ Doch auf einmal sah ich Filme und las Bücher die rein zufällig alle irgendwelche Blogger als Protagonisten hatten. Also dachte ich, vielleicht kann ich so schon mal testen ob das Thema überhaupt Leser anlockt.

• Wer oder was hat in dir die Leidenschaft für das Kochen/Backen geweckt?
> Wir sind fünf Geschwister und können alle kochen und backen. Meine Mom hat uns das allen beigebracht, drei Jungen und zwei Mädchen. Deutsche Küche, Türkisch und was sie sonst so gelernt. Mein erstes selbst kreiertes Rezept war ein Baby Brei aus Prinzen Rolle und Milch. Ich war 7 Jahre alt und die Wände waren voller Spritzer. Mein Vater brachte mir an den Besuchstagen einige türkische Gerichte bei. Eigentlich wollte ich zur Polizei oder Journalistin werden aber das hat nicht geklappt. Bäckerin durfte ich nicht werden, da meine Mutter in einem früheren Leben eine Bäckerei hatte und mein Bruder auch Bäcker war. Sie meinte, das würde reichen in einer Familie, außerdem war früh aufstehen noch nie mein Ding. Mit 15 Jahren habe ich angefangen, bei der Mutter meines ersten Freundes, auf dem Wochenmarkt Obst und Gemüse zu verkaufen. Manchmal habe ich sogar annonciert, wie ein richtige Marktschreierin. Das habe ich 7 Jahre gemacht. Zwischendurch, habe ich für ein halbes Jahr Geflügel und Wild verkauft. Obst war mir aber lieber, also ging ich zurück. So hatte das Thema Food in meinem Leben schon immer einen hohen Stellenwert.

• Büro, Café, vom heimischen Sofa oder direkt aus der Küche – von wo aus bloggst du?
> Ich blogge ausschließlich von Zuhause. Mal vom Sofa, mal im Bett und mal am Schreibtisch, je nach Laune.

• Gibt es Lebensmittel, mit denen man dich jagen kann?
> Oh ja….*schüttel* Jegliches Meeresgetier außer Bismarckhering im Brötchen, Backfisch auf der Kieler Woche und Thunfisch Sashimi (Angelware, der ohne tote Delphine), Algen, Leber und andere Innereien, Koriander, Tofu und andere Merkwürdige Dinge, die Menschen meinen essen zu müssen. Ach ja und sehr untypisch fahre ich gar nicht auf dunkle Schokolade oder Pommes ab.

• Und auf der anderen Seite: Gibt es Lebensmittel, die du am liebsten überall verwenden würdest?
> Dafür liebe ich alles was mit Knoblauch, Salat, weißer Schokolade, Kuchen, Eis oder überhaupt Desserts, Rosen oder Obst zu tun hat. Leider habe ich eine Fructose Intoleranz. Ich esse aber trotzdem manchmal Obst und Gemüse. Ich lebe an diesen Tagen einfach ganz bewusst mit den Konsequenzen.

• Welches Land ist deiner Meinung nach eine kulinarische Reise wert?
> Haltet mich ruhig für bescheuert aber ich denke die USA haben kulinarisch so viel zu bieten. Es gibt mehr als nur Burger. Auch wenn manche Leute anderes behaupten. Ich habe, zu Schulzeiten, im Hauswirtschaftsunterricht mal einen Aufsatz darüber verfasst und eine 1 bekommen. Das kam wirklich nicht oft vor. Cajun Küche, Soul Food, Tex-Mex und Neuengland mit seinen ganz eigenen Einflüssen. New York hat, dicht gefolgt von London, die besten Restaurants der Welt behaupte ich. Und Amerikanische Süßigkeiten und Getränke sind irgendwann mein Tot. Ansonsten natürlich Italien, Türkei, Spanien. Neulich waren wir in Marrakesch. Da haben wir teilweise auch sehr gut gegessen. Aber da passt mir der Dreck einfach nicht.

• Hast du irgendeine Macke, die besonders beim Kochen/Backen deutlich wird?
> Ich habe jede Menge Macken und in meiner Küche bin ich der Boss.

• Auf was kannst du beim Werken in der Küche so gar nicht verzichten?
> Auf Platz, leider habe ich davon zu wenig, so source ich meinen Arbeitsplatz ab und zu in Richtung Wohnzimmer aus. Ach und Musik, nichts geht ohne Musik.

• Was ist deine Inspirationsquelle? Und wo befindet sie sich?
< Überall und nirgendwo. Ich lasse mich in der Welt inspirieren, im Internet, im TV, durch Geistesblitze, Gespräche und von dem was der Kühlschrank so hergibt. Ich mache aber aus allem meins. Rezepte befolge ich so gut wie nie, es sei denn es ist mein eigenes und ich weiß was dabei rauskommt. Ich verpasse gerne allem meine eigene Handschrift.

• Ganz unter uns: Wie sieht es bei dir in der Küche nach deinem Experimentieren aus?
> Meine Küche sieht immer wie ein Schlachtfeld aus und ich räume vor dem Kochen erstmal auf. Das liegt aber daran, dass ich viel zu viele Sachen und viel zu wenig Platz habe.

• Welches Hilfsmittel aus deiner Küche begleitet dich seit deinem Blogdebüt und wird wahrscheinlich nie ausgetauscht?
> Sag niemals nie… Ich glaube da gibt es außer meinem Rezeptbuch aus der Ausbildung gar nichts.

• Hand auf ’s Herz: Sehen deine Gerichte immer so perfekt aus oder geht auch mal etwas schief?
> Ach wenn ich abgelenkt bin, dann verbrenne ich auch schon mal gekochte Eier, oder Kartoffeln. Im zweiten Lehrjahr war ich vom Mahjong Spiel auf dem PC so abgelenkt, dass das Fett in der Pfanne verbrannte. Danach mussten wir renovieren. Selbst der Küchenschrank über dem Herd war verzogen. Ups… Fleischfee die Chaos Queen würde vielleicht auch passen.

• Folgst du dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ oder ist für dich das Verkosten am Ende das Wichtigste? 
> Das kommt drauf an, meistens bin ich schon satt, wenn ich fertig bin. Besonders, wenn es sich um Kuchen und Plätzchen handelt. Ich habe dem Koch in einem französischen Restaurant immer Mürbeteig geklaut. Was lässt er den auch vor meiner Nase stehen. Naja, aber wenn Gäste kommen, muss natürlich das Resultat stimmen.

• Gute Gerichte und Lebensmittel verlieren zunehmend an Wert. Woran liegt das und was kann bzw. sollte man dagegen tun?
> Ich habe eigentlich das Gefühl, dass diese ganze Celebrity Chef Bewegung die Leute auf den richtigen Pfad geführt hat und Menschen wieder mehr über ihre Nahrung nachdenken. Naja obwohl wenn ein Starkoch widersprüchliche Signale aussendet bringt das wohl auch nichts. Man kann einfach nicht rumrennen und erzählen „Der Körper ist ein Tempel und braucht gutes Zeug“ und gleichzeitig für goldene Bögen werben. Ich liebe Fleisch aber ich hasse Tierquäler, vielen Köchen ist das egal. Restaurants, Blogs und Delikatessen Geschäfte, die z.B. Foie Gras im Programm haben sind für mich Tabu. Da drehe ich durch und werde regelrecht aggressiv. Ein Koch meinte mal Gänse hätten keine Schmerzen, dann würden sie sich ja melden. Wir haben uns deswegen so sehr gezofft, dass ich ihm gern eine Pfanne um die Ohren gehauen hätte. Leider blieb ich schlussendlich doch brav. Ich habe sogar einen Artikel geschrieben in dem es darum geht ob Genuss ohne Qual, für jemand anderen, überhaupt noch möglich ist. Ich finde, da sollten wir uns alle mal Gedanken drüber machen. Es gibt tolle Initiativen z.B. die Brüderhahn Vereinigung, welche für jedes weibliche Hühnchen auch ein männliches aufzieht. Kostet mehr, ist es aber wert und man verhindert das Schreddern der Tiere. Da ich mir nicht so oft hochwertiges Fleisch leisten kann, passe ich mich oft meinem Freund an, der ist Vegetarier. Ich möchte auch bald etwas in der Richtung einbauen, was ich in New York sah. Da müsst Ihr Euch aber noch gedulden.

• Wie privat ist dein Blog? Was gehört für dich ins Internet und was nicht?
> Er ist relativ authentisch, da ich sehr tiefe Einblicke in mein Leben gewähre, dennoch würde ich nie meine geheimsten Gedanken oder zu viel Privates dort veröffentlichen. Das geht nur in die Hose. Deswegen fällt es mir auch bei manchen Beiträgen besonders schwer sie neutral zu verfassen. Meine Essstörungen und Depressionen habe ich mal angesprochen, weil es bei der Arbeit dadurch manchmal schwierig ist und über mein Knie jammere ich manchmal. Da bin ich eh ganz offen aber nur bis zu einem gewissen Grad. Permanent hat sowas auf meinem Blog aber auch nichts zu suchen.
Ich zeige viel aber doch mit Bedacht.

• Hast du dein Smartphone oder deinen Laptop rund um die Uhr parat oder gibt es Zeiten, in denen du offline bist und es auch bleibst?
> Ich bin ein absoluter Handy Junkie, das Handy ist nur, wenn ich arbeite nicht in meiner Nähe. Am Arbeitsplatz hat es nichts zu suchen aber manchmal schlafe ich ein, während ich es in der Hand habe.

• Wie wichtig ist dir die Anzahl deiner Leser?
> Ich freue mich über jeden einzelnen, besonders, wenn sie mit mir interagieren aber ich mache mich auch nicht verrückt. „Oh mein Gott, ich habe Follower verloren“ und dann bricht man heulend ins Essen. Das gibt es bei mir nicht. Ich polarisiere ganz sicher. Mein Sprachstil ist sehr rau und ich sage immer was ich denke. Dafür bin ich authentisch. Wer das mag kann, kommt wieder.

• Bloggst du für dich oder für die Welt?
> Ganz klar beides. Ich möchte die Stories, wenn ich senil werde, vielleicht selbst jeden Tag von meiner Pflegerin vorgelesen bekommen, damit ich immer was zum Lachen oder zur Erinnerung habe. Andererseits möchte ich Leuten auch helfen. Meine Reiseberichte beispielsweise sind sehr detailliert. Das kann nerven aber ich möchte Leute animieren zu reisen und möglichst viele Tipps geben, auch wenn das Budget klein ist. Es geht, man muss nur wissen wie.

• Welche deiner „Kollegen“ schätzt du am meisten?
> Den Blog von Peter Jebsen, der ist ein, mir bekannter, Journalist und Ex-Qyper, wie ich. Er bloggt über verschiedenes. Ist also kein herkömmlicher Foodblogger aber er kennt sich sehr gut mit Essen aus und hat immer tolle Tipps für Restaurants, Events usw. in petto. http://sozialgeschnatter.de/. Dann gibt es Schlemmerella, die ist leider momentan beruflich so eingespannt, dass das bloggen zu kurz kommt. Sie ist ebenfalls journalistisch im Hauptjob tätig. https://schlemmerella.wordpress.com/. Jeanny von Zucker, Zimt und Liebe hat mir mal ganz lieb geholfen als ich sie bat mir zu erklären, wie sie die Übersetzung in ihrem Blog bekam. Es gibt also auch große Blogger, die ganz auf dem Teppich geblieben sind un kleineren Bloggern helfen. http://www.zuckerzimtundliebe.de/. Daniela von Klitzekleines. Den Blog finde ich einfach toll. Er ist sowohl visuell als auch kreativ ansprechend. http://www.klitzekleinesblog.de/. Anika vom Lavendelblog. Sie hat Familie und schafft es trotzdem regelmäßig zu bloggen. Letztens gab es dort eine tolle Blogparade bei der ich sogar etwas gewonnen habe. http://www.lavendelblog.de/

• Ohne welche Musik kannst du nicht leben/kochen?
> Hip Hop, Soul, R’n’B, Gospel und New Kids on the Block

• Mit welchem Koch würdest du gerne mal ein Menü herrichten?
> Nelson Müller, dann können wir kochen und gleichzeitig singen/rappen. Aber Johann Lafer und Christian Rach kämen für mich ebenso in Frage.

• Welches Kochbuch würdest du nie aus der Hand geben?
> Mein Rezeptbuch aus der Ausbildung

• Wie groß ist deine Küche?
> Viel zu klein, mit Glück 5 m2!

• Was macht eine Foodbloggeschichte für dich lesenswert?
> Ich darf mich nicht langweilen. Ein guter Schreibstil, ist wohl also das A und O.

• Und zu guter Letzt ein Klassiker: Wenn du die Zeit zurückspulen könntest, was würdest du an deinem Leben (und vielleicht an deinem Blog) ändern?
> Ich hätte gern direkt einen Job gelernt, bei dem man nicht ständig am Existenzminimum lebt, in einer Branche in der man sein Gehalt regelmäßig bekommt. Außerdem wäre ich gern ins Ausland gegangen. Vielleicht auch nur temporär.
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• Wen oder was würdest du auf eine einsame „Kochinsel“ mitnehmen? TOP3

> Foodblogs: 
1. Meinen eigenen Natürlich
2. Den Blog von Schlemmerella
3. Zucker, Zimt und Liebe

> Kochbuch: 
1. Mein Rezeptbuch
2. Backen mit Lust und Laune von Lingen
3. Amerikanisch Backen von Dr. Oetker

> Musikalbum:
1. Miseducation of Lauryn Hill
2. 2Pac – Greatest Hits
3. The Rebirth of Kirk Franklin

> Kochutensilie:
1. Meine Messer
2. Bunsenbrenner
3. Mein Brett mit Saftauffang
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• Salz oder Pfeffer?
> Salz

• Bier oder Wein?
> Snapple

• Süß oder Herzhaft?
> Süß

• Hauptgang oder Dessert?
> Am besten beides! Ansonsten kommt es auf den Hauptgang an.

• „Early Bird“ oder „Night Owl“?
> Night Owl

• Ordnungsfanatiker oder Dreckspatz?
> Beides, je nachdem, in welchem Bereich.

• Kaffee oder Tee?
> Tee
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• Lieblings...:
> ...messer: Mein Filiermesser von WMF
> ...gewürz: Knoblauch und Liebstöckel
> ...koch: Horst Lichter
> ...kochzeit/tag: Abends
> ...rezept: Pasta mit Hackfleisch und Joghurt dazu Tomatensalat! (Kıymalı, 
Yoğurtlu Markana) 
https://fleischfee.com/…/pasta-mit-hackfleisch-und-joghurt…/
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Vielen Dank, liebe Sue, dass du dir die Zeit genommen hast, uns unsere Fragen zu beantworten!
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Hast du auch einen Blog? Möchtest Du, dass wir dich und deinen Blog vorstellen? Dann schick uns eine E-Mail an: redaktion@germanfoodblogs.de
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Fotos © Sue https://fleischfee.com