Michael aus München /"Musikgeschmack"



Heute: Michael aus München
Blog: Musikgeschmack
https://musikgeschmack.wordpress.com/

• Stell’ dich doch einmal kurz mit Namen, Alter, Wohnort, Beruf und Hobbys vor!
> Michael, männlich, Jahrgang 1980, geboren in Suhl / Thüringen, leidgeprägte Schullaufbahn mit gelegentlichen musikalischen Lichtblicken, Zivi, Berufsfachstudium der Musik (Schlagzeug in Jazz & Popularmusik) im Professional Programm der Future Music School Aschaffenburg (solche Begriffe begleiten mich noch eine ganze Weile), große Musikhochschul-Aufnahmeprüfungs-Rundfahrt, knapp verkackt, sieben Jahre Leben in der Pfalz, Festival-, PR-, Veranstaltungs-Job, seit 2009 in München, der schönsten Stadt der Welt, PR für ein wunderbares Label für Jazz & Anderes und im unverzagten Kampf in einer sich radikal wandelnden Musiklandschaft. Verheiratet, keine Kinder, keine Haustiere, 3 Schlagzeuge und eine Tonne Becken. Einrichtung zur Hälfte IKEA, zur Hälfte andere Sachen, Skoda Fabia (groll), Playstation 4.

• Was unterscheidet deinen Blog von den Anderen?
> Was die Küche angeht: Mir geht es zum größten Teil um Alltagsküche, bodenständige, tolle, einfache Sachen mit Zutaten, für die man nicht erstmal ins Internet muss. Das Allermeiste ist wirklich in 30 min. oder weniger Arbeitszeit gemacht. Besonders interessieren mich Küchenklassiker: Die perfekte Bolognese, die perfekten Bratkartoffeln – sowas wird man immer lesen. Außerdem interessieren mich vegetarische Gerichte mit Power, ohne den ganzen Ersatz-Gedanken. Meine Frau ist Vegetarierin, ich nicht. Das harmonische Zusammenleben von Veggis und Fleischis treibt mich deshalb immer um. Und: ich koch NIX, nur weil ich denke, das müsste jetzt mal in den Blog. Es ist wirklich das, was ich so täglich mache.
Dazu gibt’s von mir aus berufener Stelle immer wieder auch Beiträge zum Thema Musik – meinem wirklichen Lebensmittelpunkt. Und gelegentlich auch zu Videospielen, hier aber dann mit Schwerpunkt auf erwachsene, besondere Spiele, die jeder auch ohne Vorerfahrung mal ausprobieren kann. Und alles, was mich sonst so umtreibt. Ich DARF hier schließlich einfach alles, worauf ich Bock hab.

• Was hat dich dazu motiviert, einen Blog zu starten? Und warum überhaupt ein Foodblog?
> Mein erster Kochblog, den ich über Jahre wirklich täglich gelesen habe war „rettet das mittagessen“. Wirklich richtig, richtig gut und sicher der Einstieg. Ich koche gerne und ich schreibe gerne. Letzteres auch beruflich, aber über Musik. Ich wollte aber ein Schreibprojekt, bei dem ich einfach machen kann, was ich will, ohne dass ich andere Leute überzeugen oder mich sonst nach irgendwas richten soll. Und facebook war mir für solche Sachen irgendwann einfach zu flüchtig und eingeschränkt. Das Blog schreibe ich in erster Linie mal für mich – aber natürlich hab ich auch eine ordentliche Portion Eitelkeit und Geltungsbedürfnis – und wenn’s also jemandem sonst gefällt, bin ich glücklich.

• Wer oder was hat in dir die Leidenschaft für das Kochen/Backen geweckt?
> Ganz klar: Mein Vater. Ich bin ja bis zu meinem zehnten Jahr in der DDR groß geworden. Zu Essen gab es zu der Zeit aber immer gut. Vor allem das, was so aus dem eigenen Garten kam, und Hausschlachtungen bei den Großeltern, Bratensonntage, hausgemachte Wurst… Nach der Wende stand Papa dann die ganze kulinarische Welt offen und wir haben zusammen alles mögliche ausprobiert – und es durften immer so viel Freunde kommen, wie wollten. Mein Vater hat mir nicht nur gezeigt, wie man kocht, sondern besonders, und viel wichtiger: wie man ein entspannter, guter Gastgeber ist, bei dem sich jeder wie zu Hause fühlt. Diese Art von Gelassenheit ist mir bis heute wichtig. Kochen nicht um Leute zu beeindrucken, sondern um sie glücklich zu machen und sich wohlfühlen zu lassen.

• Büro, Café, vom heimischen Sofa oder direkt aus der Küche – von wo aus bloggst du?
> Küchensachen eigentlich immer von zu Hause aus, alles Andere, wo immer ich gerade bin – unterwegs vom Tablet oder Handy, wann immer mir was einfällt.

• Gibt es Lebensmittel, mit denen man dich jagen kann?
> Ich mag keine Austern. Aber ich arbeite dran. Ich will eigentlich alles probieren, oft sind einem die Dinge, die Dinge, die man nicht zu mögen meint ja nur noch nicht in toller Form begegnet. Insofern – was Naturprodukte angeht, will ich immer wieder auch gerade die Sachen probieren, die für mich noch schwierig sind. Ausnahmen: Hoden, Insekten, Sachen die SEHR stinken.
Was wirklich nicht geht, ist extremes Industrie-Food. Dosenravioli würde ich nicht runterkriegen. Auch kein Asietten-Supermarkt-Fertiggericht. Oder Popcorn mit künstlichem Parmesanaroma (hab ich mal in einem Kino gesehen – Streuer mit Parmesan- und Zwiebel(!)geschmack). Nichts gegen gepflegten Trash.

• Und auf der anderen Seite: Gibt es Lebensmittel, die du am liebsten überall verwenden würdest?
> Klar, irgendwie banal: Das, was gerade frisch und toll ist und Saison hat. Das will ich dann auch die ganze Zeit essen.

• Welches Land ist deiner Meinung nach eine kulinarische Reise wert?
> Italien. Die Einfachheit, Produktbezogenheit, das Sonnige und Regionale an dieser Küche, die riesige Vielfalt und tiefe Tradition sind einfach sehr mein Ding. Wenn es eine internationale Küche gibt, die ich gerne wirklich perfekt beherrschen will, dann ist es die italienische. Deutschland. Die deutsche Küche mit ihren regionalen Unterschieden wärmt mein Herz. Auch hier will ich immer noch mehr wissen und lernen.

• Hast du irgendeine Macke, die besonders beim Kochen/Backen deutlich wird?
> Ich bin sehr selbstkritisch. Wenn was nicht klappt, werde ich leicht sauer. Ich bin schon viel viel gelassener geworden und Totalausfälle sind selten geworden. Aber wenn ich ein schönes Produkt versaue, kann mich das schon sehr ärgern.
Und ich bin ungeduldig. Ich schau oft irgendwo rein, wo man das gerade nicht machen soll und sowas…

• Auf was kannst du beim Werken in der Küche so gar nicht verzichten?
> Auf die Gewissheit, dass später außer mir noch mindestens eine weitere Person mitisst. Ich koche kaum mehr nur für mich alleine.

• Was ist deine Inspirationsquelle? Und wo befindet sie sich?
> Meine erste Inspiration war mein Papa. Dann, zusammen mit Papa sicher Alfred Biolek, durch denen wir beide zusammen viele viele Dinge, die heute selbstverständlich sind kennen und lieben gelernt haben, Risotto, Ruccola, Lammkeule, Gnocchi etc. Ich bin nicht der große Kochbuchsammler, aber KochSENDUNGEN kenne ich alle. Ich hab sicher alle Lanz und Kerner Sendungen geschaut (trotz Kerner und besonders Lanz) und da schon enorm viel gelernt. Überhaupt alle Sendungen der ARD. Und so ziemlich alles, was Youtube zum Thema hergibt.

• Ganz unter uns: Wie sieht es bei dir in der Küche nach deinem Experimentieren aus?
> *hüstel*

• Welches Hilfsmittel aus deiner Küche begleitet dich seit deinem Blogdebüt und wird wahrscheinlich nie ausgetauscht?
> Mein erster hölzener Kochlöffel. Krumm, verbrannt, abgenutzt. Und bestimmt 20 Jahre alt.

• Hand auf ’s Herz: Sehen deine Gerichte immer so perfekt aus oder geht auch mal etwas schief?
> Ich poste nur die Hübschen. Obwohl ich SEHR erntsthaft über eine „verkackt“ Rubrik nachdenke.

• Folgst du dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ oder ist für dich das Verkosten am Ende das Wichtigste?
> Ich bin niemand, der beim Kochen wahnsinnig entspannt. Ich koche auch recht schnell und zielstrebig. Also ganz klar: Wenn was fertig und gut ist, freut mich das am meisten.

• Gute Gerichte und Lebensmittel verlieren zunehmend an Wert. Woran liegt das und was kann bzw. sollte man dagegen tun?
> Glaube ich eigentlich nicht. Kochen ist ziemlich in Mode, Leute probieren auch beim Auswärts-Essen immer mal wieder neue Sachen aus, reisen viel und kommen rum. Mehr selbst kochen, mit Spaß und ohne den Anspruch, dass es gleich aussieht wie bei Lafer, das währ gut.

• Wie privat ist dein Blog? Was gehört für dich ins Internet und was nicht?
> Schon relativ privat. Ich schreib ja doch auch manchmal relativ küchenfremde Sachen wie „Günni“. Andere Leute auf Familie oder Freundeskreis (außer Papa) tauchen wohl eher nicht auf.

• Hast du dein Smartphone oder deinen Laptop rund um die Uhr parat oder gibt es Zeiten, in denen du offline bist und es auch bleibst?
> Ich bin furchtbar – denn ich bin IMMER online. Arbeite aber dran.

• Wie wichtig ist dir die Anzahl deiner Leser?
> Also, ich würde mich schon sehr freuen, wenn das ein paar Leute mögen. Ich weiß, dass ich, wenn es objektiv um Originalität, Fotoqualität, Website-Gestaltung NIE mit den Top-Blogs mithalten kann. Aber das will ich auch gar nicht und es wäre mir viel zu anstrengend. Vielleicht kann ich als Berufs-Schreiber zusammen mit ein paar guten Ideen für manche Leser so ein entspanntes Wohlfühl-Ding erzeugen, auf das sie manchmal gerne zurück kommen.

• Bloggst du für dich oder für die Welt?
> Erstmal für mich, aber jeder Leser freut mich außerordentlich.

• Welche deiner „Kollegen“ schätzt du am meisten?
> Stevan Paul
Claudio Del Principe
Sebastian Dickhaut

• Ohne welche Musik kannst du nicht leben/kochen?
> Ich kann überhaupt ohne Musik nicht leben. Musik IST mein Leben.

• Mit welchem Koch würdest du gerne mal ein Menü herrichten?
> Ganz klar: Vincent Klink. Und NUR der.

• Welches Kochbuch würdest du nie aus der Hand geben?
> Meine liebsten Kochbücher sind die, die einen Geschichte erzählen. Extrem geprägt haben mich, wie viele Andere auch:
Anthony Bourdain „Geständnisse eines Küchenchefs“ und weitere, inkl. der „No Reservations“ Show
Vincent Klink „Immer dem Bauch nach“
Stevan Paul „Schlaraffenland“
Bill Buford „Hitze“

• Wie groß ist deine Küche?
> 12 qm

• Was macht eine Foodbloggeschichte für dich lesenswert?
> Was Persönliches. Ein Gefühl von individueller Haltung vs. Massengeschmack.


• Wen oder was würdest du auf eine einsame „Kochinsel“ mitnehmen? TOP3

> Foodblogs:
1. nutriculinary
2. annonyme köche
3. vincent klinks blog auf wielandshöhe

> Kochbuch:
1. Die 1000 besten Kokosnuss-Gerichte ;)
2. Das große Gelbe von GU
3. reicht.

> Musikalbum:
1. e.s.t. „Live in Hamburg“
2. Tom Waits „Closing Time“
3. Nils Landgren „Sentimental Journey“

> Kochutensilie:
1. gutes, großes Küchenmesser
2. eine gescheite große Pfanne
3. einen großen Mörser


• Salz oder Pfeffer?
> früher: Salz, mittlerweile: Pfeffer

• Bier oder Wein?
> Bier, ich leb schließlich in München

• Süß oder Herzhaft?
> Herzhaft

• Hauptgang oder Dessert?
> Hauptgang

• „Early Bird“ oder „Night Owl“?
> Night Owl

• Ordnungsfanatiker oder Dreckspatz?
> Dreckspatz

• Kaffee oder Tee?
> lieber: Tee, öfter: Kaffee


• Lieblings...:
> ...messer: 20 €, vom Supermarkt, hält schon 1o Jahre
> ...gewürz: Chilliflocken
> ...koch: Vincent Klink
> ...kochzeit/tag: Abend
> ...rezept:


Fotos © Michael https://musikgeschmack.wordpress.com/