Heinrich aus Oldenburg / "Gaumenschrei"


Heute: Heinrich aus Oldenburg
Blog: Gaumenschrei
http://gaumenschrei.de/

• Stell’ dich doch einmal kurz mit Namen, Alter, Wohnort, Beruf und Hobbys vor!
> Ich bin Heinrich Herwig, 57, und lebe in Oldenburg. Meine Hobbys sind: Kochen, Kochen, Kochen, Fotografieren, Schreiben, Segeln, Mountainbiken

• Was unterscheidet deinen Blog von den Anderen?
> Jeder Blog ist so individuell wie der Blogger. So gesehen unterscheiden sich alle Blogs. Ich schreibe aber nicht wie man etwas zubereiten soll, sondern wie ich es gemacht habe. Aus meinen Ideen, soll jeder seine eigenen Kreationen erschaffen. Und ich fotografiere alles so, wie es auf den Teller kommt. Bei mir gibt es keine gestellten Bilder aus dem Fotostudio. Ich fotografiere direkt in der Küche. Und die meisten meiner Texte mit Zutatenliste lassen sich als PDF ausdrucken.

• Was hat dich dazu motiviert, einen Blog zu starten? Und warum überhaupt ein Foodblog?
> Meine Frau war die treibende Kraft. Ich hatte bereits vor 20 Jahren einen Blog. Auch wenn da noch niemand von Blog gesprochen hat. Damals ist ein Kochbuch von mir erschienen und dazu habe ich im Internet Rezepte und Hotel- und Restaurantkritiken geschrieben. Beides floppte grandios. Aber noch heute kann ich in meinem eigenen Buch blättern; wer kann das schon.

• Wer oder was hat in dir die Leidenschaft für das Kochen/Backen geweckt?
> Ich habe schon als Jugendlicher die Küche belegt und ab und zu die Familie bekocht. Das hat sich dann im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Heute treibt mich meine schärfste Kritikerin, meine Frau, voran. Sie fordert ständig neues und gutes Essen.

• Büro, Café, vom heimischen Sofa oder direkt aus der Küche – von wo aus bloggst du?
> Nach getaner Arbeit vom Esstisch aus. Hier kann ich in Ruhe schreiben und die Bilder zusammenstellen. Schöne Musik und ein Glas Wein helfen mir dabei.

• Gibt es Lebensmittel, mit denen man dich jagen kann?
> Fast Food, also Hamburger etc., Fertiggerichte und Marzipan.

• Und auf der anderen Seite: Gibt es Lebensmittel, die du am liebsten überall verwenden würdest?
> Zwiebeln, Knoblauch und gutes Olivenöl gehören fast immer dazu. Und Käse.

• Welches Land ist deiner Meinung nach eine kulinarische Reise wert?
> Fast jedes Land hat seine Spezialitäten die es zu entdecken gilt. Im Moment würde ich gerne mal wieder nach Italien, da war ich schon so lange nicht mehr. Und Japan wäre sicher auch eine Reise wert.

• Hast du irgendeine Macke, die besonders beim Kochen/Backen deutlich wird?
> Ich koche am liebsten alleine, ungestört bei einem Glas Wein und guter Musik. Und ich hasse es, wenn meine Frau in die Küche kommt und meint irgendetwas wegräumen zu müssen. Aber das ist wohl eher ihre Macke.

• Auf was kannst du beim Werken in der Küche so gar nicht verzichten?
> Meine Messer sind mir das wichtigste. Gutes Olivenöl und auch sonst gute Zutaten. Viele Küchengeräte brauche und habe ich nicht. Und ich brauch immer ein Glas Wein. Habe ich schon erwähnt, oder?

• Was ist deine Inspirationsquelle? Und wo befindet sie sich?
> In meinem Kopf. Ich lese ein Wort oder sehe ein Bild und wenn mich das Erfasste berührt, entwickle ich daraus ein neues Gericht.

• Ganz unter uns: Wie sieht es bei dir in der Küche nach deinem Experimentieren aus?
> Meine Frau sagt grausam. Ich sage ordentlich. Ich versuche immer eine gewisse Ordnung zu erhalten. Aber mitunter, wie man es auch manchmal auf meinen Bildern sehen kann, gelingt das nicht. In der Hektik der sich überschneidenden Arbeitsgänge bleibt schon zu wenig Zeit zum Aufräumen.

• Welches Hilfsmittel aus deiner Küche begleitet dich seit deinem Blogdebüt und wird wahrscheinlich nie ausgetauscht?
> Als erstes würde ich da meine Frau nennen, auch wenn der Begriff Hilfsmittel nicht ganz passend ist. Aber sie hilft beim Essen, Beurteilen des Gegessenen und beim Saubermachen. Und ich werde Sie, so wie es im Moment aussieht nicht austauschen.
Und meine BRAUN KM32, die Küchenmaschine, die ich schon so lange besitze und über die ich schon geschrieben habe, werde ich nicht weggeben.

• Hand auf ’s Herz: Sehen deine Gerichte immer so perfekt aus oder geht auch mal etwas schief?
> Klar geht auch mal was schief. Es heißt ja nicht umsonst, dass man aus Fehlern lernt. Aber letztlich macht das nichts. Auch über Misslungenes schreibe ich mitunter. Beim nächsten Mal, so die Hoffnung, gelingt es wieder.

• Folgst du dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ oder ist für dich das Verkosten am Ende das Wichtigste?
> Meine Leidenschaft gehört dem Kochen, also dem Weg. Obwohl ich natürlich auch gerne esse. Und da ich ständig beim Kochen probiere, ist das im Grunde alles eins. Und wenn ich bedenke, dass das Erstellen einer Speise ein bis zwei Stunden dauert, das Gericht aber in wenigen Minuten verzehrt ist, bin ich froh, dass das so ist. Sonst würde ich mir die Mühe vielleicht gar nicht machen.

• Gute Gerichte und Lebensmittel verlieren zunehmend an Wert. Woran liegt das und was kann bzw. sollte man dagegen tun?
> Das mag für die Mehrheit der Menschen zutreffen. Amerikanische „Essenskultur“ und der Drang, alles schnell erledigen zu müssen, tragen sicher zu dieser Entwicklung bei. Andererseits gibt es ja auch die Gegenbewegungen. Gutes Essen, Bio-Produkte, regionale Spezialitäten sind auf dem Vormarsch.
Lebensmittel haben leider keinen Wert bei uns. Alles muss hauptsächlich billig sein. Der Preis des neuen Fernsehers ist unerheblich, aber Eier aus Käfighaltung dürfen nichts kosten.

• Wie privat ist dein Blog? Was gehört für dich ins Internet und was nicht?
> Ich schreibe wie man lesen kann, auch über mich und meine Gedanken, über meine Frau, mal darüber wo ich was gegessen habe. Ich finde es wichtig, dass auch ein wenig Persönliches zu lesen ist. Sterile Blogs, von Bloggern denen man nicht glaubt, was da steht, oder die im Auftrag irgendwelcher Firmen Werbung machen, gibt es genug. Allerdings schreibe ich auch nur über Dinge, die mit meinen Themen Essen, Kochen und Genuss zu tun haben. Ansonsten halte ich mich zurück.

• Hast du dein Smartphone oder deinen Laptop rund um die Uhr parat oder gibt es Zeiten, in denen du offline bist und es auch bleibst?
> Klar bin ich nicht immer mit meinem Hobby beschäftigt. Ich muss leider auch noch etwas arbeiten. Und nur vor der Technik hängen, ist mir zu langweilig.

• Wie wichtig ist dir die Anzahl deiner Leser?
> Wer auf diese Frage „unwichtig“ angibt, flunkert vermutlich etwas. Klar freue ich mich, wenn meine Beiträge gern und viel gelesen werden. Allerdings gebe ich mich auch nicht der Illusion hin, jetzt tausende von Lesern erreichen zu können. Vielleicht werden es im Laufe der Zeit noch mehr als jetzt, ich habe ja erst im Januar begonnen. Und ich versuche natürlich Viel, wie auch dieses Interview, um auf meine Seiten aufmerksam zu machen.

• Bloggst du für dich oder für die Welt?
> Für die Welt und für mich, siehe oben.

• Welche deiner „Kollegen“ schätzt du am meisten?
> Ich schätze jeden meiner Kollegen, denn wer kreativ ist, hat Achtung verdient. Nicht so gerne mag ich jene Blogs, die meinen, die Wahrheit gepachtet zu haben und den einzig wahren Weg zum Ergebnis zu kennen. Aber ich treibe mich nicht so viel auf anderen Seiten rum.

• Ohne welche Musik kannst du nicht leben/kochen?
> Ich höre gerne Lounge-Musik, gerne etwas abgedreht. Oder Musik aus meiner Sturm- und Drangzeit. Also 70er, 80er und 90er Jahre.

• Mit welchem Koch würdest du gerne mal ein Menü herrichten?
> Von den Fernsehköchen reizt mich keiner, falls die Frage darauf zielt. Ich würde aber gerne mal bei einem echten Profi in der Küche stehen. Einmal habe ich das schon gemacht und ein paar Tage in einem Restaurant ausgeholfen. Das war sehr interessant. Also, ein guter Profi in dessen Lokal ich auch gerne speisen würde und der mich mit seiner freundlichen Art überzeugt; ja, mit solch einem Profi würde ich gerne einmal kochen.

• Welches Kochbuch würdest du nie aus der Hand geben?
> Keines, ich habe fast nie ein Kochbuch in der Hand, dann könnte ich ja nicht kochen. Aber ich liebe folgende Bücher: Otto Nebelthau, Vom heiteren Kochen, gibt es nur noch antiquarisch. Ein bayrisches Kochbuch das mindestens seit 25 Jahren mein ist und in dem viele Gerichte beschrieben sind. Ein dicker Schinken mit kleiner Schrift und wenigen Bildern. Obwohl ich nur Kuchenrezepte darin nachlese. Und natürlich mein eigenes: „einfach sinnlich- lesen träumen kochen“, das es nur noch beim Verlag www.vonderlinden.de gibt.

• Wie groß ist deine Küche?
> Groß genug. Mit einem Küchenblock in der Mitte und ausreichend Arbeitsfläche. Und sie geht direkt in den Wohnbereich über.

• Was macht eine Foodbloggeschichte für dich lesenswert?
> Mir geht es nicht so um die technischen Details. Die Geschichte muss ehrlich und authentisch sein oder sich zumindest so anfühlen. Mit schönen, ehrlichen Bildern, die nicht gestellt sind.

• Und zu guter Letzt ein Klassiker: Wenn du die Zeit zurückspulen könntest, was würdest du an deinem Leben (und vielleicht an deinem Blog) ändern?
> Ich hätte schon viel früher wieder mit dem Bloggen beginnen sollen.


• Wen oder was würdest du auf eine einsame „Kochinsel“ mitnehmen? TOP3

> Foodblogs:
1. frankysblog.de
2. immer-wieder-Sonntag.blogspot.de
3. irre-kochen.de

> Kochbuch:
1. mein eigenes
2.
3.

> Musikalbum:
1. Joe Cocker, Best off
2. Richard Wester, Heimat
3. Denis Quinn, Mystic Heart

> Kochutensilie:
1. Kochmesser
2. kleines Messer
3. Töpfe und Pfannen


• Salz oder Pfeffer?
> Salz

• Bier oder Wein?
> Wein

• Süß oder Herzhaft?
> Herzhaft

• Hauptgang oder Dessert?
> Hauptgang

• „Early Bird“ oder „Night Owl“?
> Early Bird

• Ordnungsfanatiker oder Dreckspatz?
> dazwischen

• Kaffee oder Tee?
> Kaffee


• Lieblings...:
> ...messer: Kochmesser
> ...gewürz: Knoblauch
> ...koch: ich
> ...kochzeit/tag: abends, täglich,
> ...rezept: hab ich nicht


Fotos © Heinrich http://gaumenschrei.de/