Lars aus der Nähe von Hamel / "WesFood"


Heute: Lars aus Groß Berkel/Aerzen bei Hameln
Blog: WesFood – Herr Westerhausen kocht …
http://wesfood.blogspot.de/

• Stell’ dich doch einmal kurz mit Namen, Alter, Wohnort, Beruf und Hobbys vor!
Name: Lars Westerhausen
Alter: Baujahr 70
Wohnort: Groß Berkel /Aerzen bei Hameln
Beruf: Löwenbändiger Gesamtschullehrer mit Leib und Seele (Englisch und Philosophie)
Hobbys: Kochen (was sonst), bloggen, Musik hören und machen (je lauter, desto besser)

• Was unterscheidet deinen Blog von den Anderen?
> Ehrliche Antwort: keine Ahnung. Ich vergleiche mich da nicht mit anderen Bloggern und versuche auch nicht, auf Teufel komm raus anders zu sein oder eine Nische zu bedienen, nur um aufzufallen. Der Blog soll nur authentisch sein. Er ist, wie er ist, weil ich bin, wie ich bin. Es gibt aber schon Eigenschaften, die ich erwähnenswert finde. Da ist zum Beispiel die Mischung: exotische Gerichte, aber auch bodenständiges. Es finden sich sowohl ambitioniertere Projekte, als auch völlig simple Dinge. Ich probiere viel aus und versuche alles frisch herzustellen. Natürlich backe ich auch nicht jeden Tag frisches Brot oder mache alle meine Pasta selbst. Da gibt es schon zeitliche Einschränkungen. Aber was geht, wird gemacht. Ach ja, ich bin 100% unkommerziell und absolut werbefrei, also auch völlig unabhängig. Deshalb kann ich es mir ja erlauben, zu sein wie ich bin. Außerdem poste ich praktisch „live“ aus meiner Küche, täglich ein anderes Gericht – manchmal auch mehrere Sachen – und das seit gut zweieinhalb Jahren.

• Was hat dich dazu motiviert, einen Blog zu starten? Und warum überhaupt ein Foodblog?
> Warum ein Foodblog? Nun, es ist zwar schon alles gesagt worden, nur noch nicht von mir. Aber ernsthaft: ich koche, schreibe und knipse gerne. Da war das irgendwie unvermeidlich.

• Wer oder was hat in dir die Leidenschaft für das Kochen/Backen geweckt?
> Zum einen die Neugier. Wenn mich etwas interessiert, möchte ich verstehen, wie es funktioniert. So ist es auch mit dem Essen. Wenn es mir schmeckt, muss ich wissen, wie man es kocht. Zum anderen die Not. Als ich nach Ende der Schulzeit von zu Hause auszog, vermisste ich schnell die heimische Küche. Mutter kochte immer frisch, Tütenkram und Fertigmenüs gab es bei uns nie. Ich mochte (und mag) diesen Kram nicht. Essen gehen konnte ich mir nicht leisten, also musste ich selbst an den Herd, besonders da mir die Alternative des Verhungerns nicht zusagte. Das ist jetzt über 25 Jahre her.

• Büro, Café, vom heimischen Sofa oder direkt aus der Küche – von wo aus bloggst du?
> Von zu Hause. Meist.

• Gibt es Lebensmittel, mit denen man dich jagen kann?
> Alles, wo „Fix“ drauf steht – obwohl, sind das überhaupt „Lebensmittel“?

• Und auf der anderen Seite: Gibt es Lebensmittel, die du am liebsten überall verwenden würdest?
> Mit Knoblauch, Olivenöl und Kräutern alleine würde ich schon weit kommen.

• Welches Land ist deiner Meinung nach eine kulinarische Reise wert?
> Italien. China. Thailand. Südstaaten der USA. Irgendwie hat jede Küche der Welt irgendetwas, das eine Reise wert ist.

• Hast du irgendeine Macke, die besonders beim Kochen/Backen deutlich wird?
> Die Zutaten müssen weitgehend authentisch sein. Ich bin kein großer Freund von „X kann man notfalls auch mit Y“ ersetzen. Wenn ich „X“ nicht habe, koche ich das Gericht meist nicht, bis ich „X“ dann doch irgendwo auftreibe, dem Internet sei Dank. Die Gattin würde auf diese Frage übrigens antworten: „Auf den Fußboden kleckern“.

• Auf was kannst du beim Werken in der Küche so gar nicht verzichten?
> Einen Gasherd.

• Was ist deine Inspirationsquelle? Und wo befindet sie sich?
> Über die Jahre habe ich so viele Kochbücher durchblättert, Rezepte gelesen und im Internet gestöbert, dass Quellenangaben mittlerweile schwierig sind. Und täglich sehe ich neue Sachen. Das ist genug Input. Mit wachsender Erfahrung fällt es auch immer leichter, sich auf Intuition und gesunden Menschenverstand zu verlassen. Oftmals gehe ich auch ohne Plan einkaufen und lasse sozusagen das Warenangebot entscheiden.

• Ganz unter uns: Wie sieht es bei dir in der Küche nach deinem Experimentieren aus?
> Wo gehobelt werden fallen Späne. Wer nur einen Topf benutzt, kocht nicht, sondern erhitzt nur Lebensmittel. Die Gattin würde auf diese Frage übrigens antworten: „Wie kann man in so kurzer Zeit eine komplette Küche verwüsten?“ Obwohl ich zwischendurch schon aufräume und abwasche. Die Holde ist da jedoch etwas penibler, aber das ist a auch gut so.

• Welches Hilfsmittel aus deiner Küche begleitet dich seit deinem Blogdebüt und wird wahrscheinlich nie ausgetauscht?
> Mein großer Granitmörser.

• Hand auf ’s Herz: Sehen deine Gerichte immer so perfekt aus oder geht auch mal etwas schief?
> Ich würde das nicht als „perfekt aussehen“ bezeichnen. Natürlich gehen Dinge schief und da bin ich auch ehrlich. Immerhin habe ich im Blog ein „FAIL“-Label. *hüstel* Macarons *hüstel*. Oft versuche ich es dann nochmal und nochmal, bis es dann irgendwann hinhaut.

• Folgst du dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ oder ist für dich das Verkosten am Ende das Wichtigste?
> Ich koche täglich für die Familie. Die möchte warmes Essen. Das Endprodukt ist also entscheidend. Wenn es mir nur um Fotos für den (das?) Blog ginge, könnte ich mir ja auch Styroporattrappen aussägen.

• Gute Gerichte und Lebensmittel verlieren zunehmend an Wert. Woran liegt das und was kann bzw. sollte man dagegen tun?
> Zeitmangel, Bequemlichkeit, Sparsamkeit (aus welchen Gründen auch immer) oder ganz allgemein eine „mir doch egal“-Einstellung spielen eine Rolle. Dazu kommt ein Wandel gesellschaftlicher Strukturen. Früher war Essen der zentrale Moment, an dem die Familie zusammen kam. Das ist heute, ganz wertfrei betrachtet, meist nicht mehr der Fall und alleine „auf die Schnelle“ etwas zu sich nehmen, vermutlich noch „to go“, reduziert Essen auf bloße Nahrungseinnahme und misst ihm nicht mehr den Stellenwert bei, den es einst hatte. Den Rest regeln dann Angebot und Nachfrage. Wenn keiner mehr Wert auf gutes Essen legt, verschwindet es eben vom Markt und bleibt nur ein paar Idealisten erhalten, die bereit sind teils horrende Preise zu zahlen. Klar, man könnte im Bereich (früh)kindliche Erziehung mehr machen und wie Jamie Oliver in die Schulen gehen, um ein Bewusstsein für gutes Essen zu schaffen. Aber was nützt das, wenn zu Hause dann doch das Geld fehlt, um sich Fleisch von irgendwelchen angesagten Starschlachtern schicken zu lassen und man eingeschweißte Discounterware nehmen muss?

• Wie privat ist dein Blog? Was gehört für dich ins Internet und was nicht?
> Im Blog tauchen meine Frau (die Gattin) und auch meine jetzt 10 jährige Tochter (die Sous-Chefin) immer mal wieder auf. Ich denke mir diese Geschichten nicht aus, das passiert schon so. Im wirklichen Leben sind wir tatsächlich so, nur natürlich mit mehr Facetten, die aber nicht alle an die Öffentlichkeit gehören. Das heißt, ich plaudere schon manchmal aus dem Nähkästchen, gehe aber nur so weit, wie nötig. Im Prinzip sind wir ziemlich authentische Kunstfiguren.

• Hast du dein Smartphone oder deinen Laptop rund um die Uhr parat oder gibt es Zeiten, in denen du offline bist und es auch bleibst?
> Ich muss schon zugeben, dass ein Smartphone eine tolle Sache ist. Ich benutze es häufig, aber auch nicht ständig.

• Wie wichtig ist dir die Anzahl deiner Leser?
> Steigende Zahlen schmeicheln, ich werde mich aber nicht nackt ausziehen, um noch mehr Leser zu bekommen. Das wäre vermutlich auch kontraproduktiv.

• Bloggst du für dich oder für die Welt?
> In erster Linie, weil es mir Spaß macht. Danach richte ich mich auch. Wenn andere das lesen und es ihnen gefällt, freut es mich natürlich. Wenn nicht, würde sich die Welt trotzdem weiterdrehen und ich nicht anders schreiben. Ein anderer Punkt ist, dass ich mich manchmal ärgere, meine Großmutter nie nach dem Rezept für Sandkuchen gefragt zu haben, bei dem der Teig mit einem Holzlöffel 45 Minuten lang in eine Richtung gerührt werden musste. Oder nach ihren genialen Waffeln. Nun ist es zu spät. Mit dem Blog habe ich so ein klein wenig die unbescheidene Hoffnung, dass meine Tochter und vielleicht meine zukünftigen Enkel später mal etwas zu lesen haben und sich nicht ärgern müssen, meine Rezepte nicht zu kennen

• Welche deiner „Kollegen“ schätzt du am meisten?
> Da gibt es einige wirklich tolle Blogs. „Fool for Food“ und „Lamiacucina“ sind natürlich großartig, aber auch in einer anderen Liga. Die kommen, glaube ich, auch gut ohne meine Werbung aus. Einige Backblogs faszinieren mich von der Optik her. Ich bin kein Bäcker und mache mir eigentlich auch nicht viel aus Desserts, aber wenn ich sehe, was so manch eine/r zaubert, ziehe ich meinen Hut. Irgendwie sind aber der Jörg Heilemann von Glatzkochs Welt und ich „virtuelle“ Freunde geworden. Man muss ihn und seine launige Art mögen und wird auf seinem Blog auch keine Sterneküche finden, aber er ist 180% authentisch und bodenständig, wenn auch sprachlich manchmal FSK18.

• Ohne welche Musik kannst du nicht leben/kochen?
> Beim Kochen sind mir eigentlich Bratgeräusche Musik genug. Ansonsten mag ich es eher laut und hart. Guter Outlaw Country, jenseits des Nashville Kommerzes gefällt mir auch.

• Mit welchem Koch würdest du gerne mal ein Menü herrichten?
> Auch wenn das jetzt nach totaler Selbstüberschätzung klingt: Gordon Ramsay. Oder Sushi mit Henssler. Veilleicht auch „woken“ mit Ken Hom.

• Welches Kochbuch würdest du nie aus der Hand geben?
> „Chinesisch Kochen“ von Yan-Kit So. Mein erstes selbstgekauftes Kochbuch und gleich ein Volltreffer. Es bietet echte chinesische Küche und selbst die ausgewiesene China-Expertin Fuchsia Dunlop, die sich immerhin als erste westliche Person am „Sichuan Institute of Higher Cuisine“ zur Küchenchefin ausbilden lassen durfte, gibt Frau So als Referenz an.

• Wie groß ist deine Küche?
> Kann eine Küche jemals groß genug sein? Die Hauptküche ist so um die 16 qm. Ich leiste mir aber in einem Anbau den Luxus einer Zweitküche, in der sich das Leben im Sommer abspielt. Die heißt dementsprechend auch „die Sommerküche“ und ist etwas kleiner. Aber auch mit Gasherd.

• Was macht eine Foodbloggeschichte für dich lesenswert?
> Eine nette, nicht zu lange Rahmengeschichte, humorvoll, gerne auch mit etwas Selbstironie erzählt, ist natürlich prima. Am wichtigsten jedoch ist, dass man die Leidenschaft „lesen“ kann. Der oder die Schreiberin muss für die Zutaten und das fertige Produkt brennen.

• Und zu guter Letzt ein Klassiker: Wenn du die Zeit zurückspulen könntest, was würdest du an deinem Leben (und vielleicht an deinem Blog) ändern?
> Ich bin zwar nicht auf alles stolz, was ich im Leben gemacht habe, aber ändern würde ich nichts, denn sonst wäre ich jetzt nicht ich. In Bezug auf den Blog, würde ich die ersten Artikel heute vermutlich lockerer schreiben.



• Wen oder was würdest du auf eine einsame „Kochinsel“ mitnehmen? TOP3

> Foodblogs:
Hat die Insel W-Lan? Ganz ehrlich, da draußen sind, wie gesagt, so viele tolle Blogs, da kann ich mich entscheiden. Ansonsten siehe oben.

> Kochbuch:
1. Chinesisch Kochen – Yan-Kit So
2. Sichuan Cookery / Land of Plenty – Fuchsia Dunlop
3. Köstliches Italien – mit den besten Rezepten aus allen Regionen

> Musikalbum:
1. October Rust – Type O Negative
2. Souls at Zero - Neurosis
3. Johnny Cash at Folsom Prison

> Kochutensilie:
1. meinen 26 kW Wokbrenner
2. meinen Wok
3. irgendetwas zum Umrühren


• Salz oder Pfeffer?
> Pfalz

• Bier oder Wein?
> Wein. Rot. Trocken. Italienisch. Gerne Sizilien oder Apulien.

• Süß oder Herzhaft?
> Herzhaft

• Hauptgang oder Dessert?
> Hauptgang. Lieber ein zweites Steak anstatt Dessert.

• „Early Bird“ oder „Night Owl“?
> Wochentags meist beides, sonst eher „Night Owl“.

• Ordnungsfanatiker oder Dreckspatz?
> Eher Dreckspatz beim Kochen, aber Ordnungsfanatiker danach.

• Kaffee oder Tee?
> Filterkaffee. Stark, schwarz und ohne Zucker. Den Keks können sie behalten. Danke.


• Lieblings...:
> ...messer: mein großes chinesisches Küchenbeil
> ...gewürz: Kreuzkümmel
> ...koch: Gordon Ramsay
> ...kochzeit/tag: Jeden Tag am späten Nachmittag/Abend
> ...rezept: Lasagne mit ragù alla Bolognese (ricetta tradzionale) oder Gong Bao Ji Ding


Fotos © Lars http://wesfood.blogspot.de/

germanfoodblogs