Susanne aus Berlin Friedrichshain / "Delicious Augusta"


Heute: Susanne aus Berlin Friedrichshain
Blog: "
Delicious Augusta"
http://deliciousaugusta.tumblr.com/

• Stell’ dich doch einmal kurz mit Namen, Alter, Wohnort, Beruf und Hobbys vor!
> Mein Name ist Susanne Zöchling, ich bin 32 Jahre alt, wohne in Berlin-Friedrichshain und bin Kulturmanagerin. Und mit der Kultur beschäftige ich mich auch in meiner freien Zeit, besonders mit Filmen, Musik und Literatur. Dann habe ich noch einen großen Faible für Typographie, Design, alte Möbel und Magazine.

• Was unterscheidet deinen Blog von den Anderen?
> Ich will mich gar nicht wirklich zu den Anderen groß unterscheiden. An meinen Fotos sieht man, dass ich ein großer Fan von Filtern bin und auch mit Bildbearbeitung experimentiere. Oft wird ein Bild, das etwas langweilig daher kommt so erst richtig spannend.

• Was hat dich dazu motiviert, einen Blog zu starten? Und warum überhaupt ein Foodblog?
> Ich habe im Sommer 2012 angefangen und davor habe ich mich eigentlich nie mit Foodblogs beschäftigt. Meine Freunde meinten dann immer mal wieder, schreib doch deine Rezepte auf. Und da dachte ich mir: „kochen kannste, eine neue Kamera hast du auch und du willst lernen wie das mit dem Bloggen so funktioniert.“ Also habe ich angefangen und festgestellt, dass ich den technischen und grafischen Aspekt dahinter ebenso toll finde wie das Kochen und Fotos machen.

• Wer oder was hat in dir die Leidenschaft für das Kochen/Backen geweckt?
> Ich bin das Kind von Gastronomen der Haute Cuisine. Klingt vielleicht etwas antiquiert, aber es trifft es schon ganz gut. Mein Vater ist ein Spitzenkoch. Also jemand, der auf aller höchstem Niveau eine Küchenbrigade führt und jeden Abend Sechs-Gänge Menüs für 70 Menschen kochen kann. Mein Zugang zum Kochen ist also bestimmt von höchster Professionalität besonders in der Zeit, als meine Eltern ein schickes Restaurant in München hatten. Trotzdem habe ich ganz früh mit dem Kochen angefangen und da ich nur Kochbücher von Paul Bocuse oder Eckart Witzigmann zu Hause finden konnte, habe ich daraus gekocht. Und das prägt natürlich den Gaumen und auch das Verhältnis zum Kochen. Heute aber schaue ich nicht mehr in die Bücher, da mache ich in der Regel Sachen, die meinem Kopf entspringen.

• Büro, Café, vom heimischen Sofa oder direkt aus der Küche – von wo aus bloggst du?
> Ich blogge von meinem schönen, alten Sekretär aus den 60er Jahren mit Blick auf den Innenhof.

• Gibt es Lebensmittel, mit denen man dich jagen kann?
> Fertigprodukte. So was wie Maggi Fix geht für mich ganz und gar nicht.

• Und auf der anderen Seite: Gibt es Lebensmittel, die du am liebsten überall verwenden würdest?
> Kräuter und Zwiebeln.

• Welches Land ist deiner Meinung nach eine kulinarische Reise wert?
> Portugal. Ich war letztes Jahr drei Wochen dort und muss sagen, da habe ich den besten Fisch gegessen, wunderbare süße Teilchen, super Wein.... Tolles Land und wirklich tolle Leute.

• Hast du irgendeine Macke, die besonders beim Kochen/Backen deutlich wird?
> Ich kann ziemlich fluchen, wenn mir etwas nicht so gelingt wie ich mir das vorgestellt habe.

• Auf was kannst du beim Werken in der Küche so gar nicht verzichten?
> Auf mein kleines Messer aus Solinger Stahl mit Holzgriff und meine Silit Pfanne.

• Was ist deine Inspirationsquelle? Und wo befindet sie sich?
> Ich gehe jeden Samstag auf den Markt auf dem Boxhagener Platz. Und da stehen dann all die tollen Stände mit Gemüse, Obst, Fisch, Käse, Wurst, Fleisch, Blumen... und dann überlege ich, worauf ich große Lust habe und wie ich es kombinieren kann. Seit diesem Frühjahr habe ich nun ein Gemüsefeld, wo ich 20 Sorten ernten werde. Das wird die neue Inspirationsquelle.

• Ganz unter uns: Wie sieht es bei dir in der Küche nach deinem Experimentieren aus?
> Sagen wir es mal so: mein Vater würde die Hände über dem Profikoch-Kopf zusammenschlagen.

• Welches Hilfsmittel aus deiner Küche begleitet dich seit deinem Blogdebüt und wird wahrscheinlich nie ausgetauscht?
> Mein Ipad. Darauf habe ich tolle Bildbearbeitungsapps. Mein Favorit ist gerade Vsco.

• Hand auf ’s Herz: Sehen deine Gerichte immer so perfekt aus oder geht auch mal etwas schief?
> Na klar geht auch Einiges mal schief. Ich habe zum Beispiel mal an einer weißen Mousse au Chocolat gewerkelt. Die Schokolade hat nicht das gemacht was ich wollte. Dann hatte die Mousse auch keinen Stand. Da fange ich dann zu fluchen an.

• Folgst du dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ oder ist für dich das Verkosten am Ende das Wichtigste?
> Natürlich muss das was ich koche gut schmecken, denn ich will es ja auch selbst verspeisen und da habe ich sehr hohe Ansprüche. Aber bei aufwendigeren Sachen oder Ideen finde ich es auch toll wie sich der Prozess entwickelt. Was passiert z.B. mit Fleisch, wenn es mariniert wird. Welche Armomen kommen zum Vorschein wenn man Gemüse lange schmorrt.

• Gute Gerichte und Lebensmittel verlieren zunehmend an Wert. Woran liegt das und was kann bzw. sollte man dagegen tun?
> Ich glaube in Deutschland liegt das ein Stück weit daran, dass man alles so günstig wie möglich konsumieren will. In anderen Ländern wie Italien, Österreich, der Schweiz, Skandinavien oder England sind Lebensmittel einfach teuerer. Weil man mehr dafür ausgibt, erwartet man auch gute Qualität. Als ich z.B. in England Au-Pair war habe ich erlebt, welchen Stellenwert Lebensmittel dort haben. Alles ist teuer, also hat auch alles eine relativ gute Qualität, sogar das Conviencence Food ist essbar. Der Ruf, das Essen sei dort schlecht ist total überholt. Die Engländer sind uns schon seit Jahren in der Breitenkulinarik voraus. Auch deshalb, weil sie es gewohnt sind Geld für Lebensmittel auszugeben.

• Wie privat ist dein Blog? Was gehört für dich ins Internet und was nicht?
> Wenn mit dem Bloggen anfängt gibt man auch einen Teil seiner privaten Vorliebe ab und teilt sie mit der Allgemeinheit. Mit einem Foodblog ist der Radius sehr beschränkt. Es dreht sich alles ums Essen und sein Aussehen. Und das teile ich gerne mit interessierten Menschen. Denn ich finde, jede/r sollte stets gut und gerne essen oder sich an Essen erfreuen. Das ist ein echter Luxus in unserer Welt.

• Hast du dein Smartphone oder deinen Laptop rund um die Uhr parat oder gibt es Zeiten, in denen du offline bist und es auch bleibst?
> Also in der Küche bin ich total offline!

• Wie wichtig ist dir die Anzahl deiner Leser?
> Ich habe Google Analytics und manchmal schaue ich da rein und frage mich immer, was die Statistik mir eigentlich sagen will. Sind das jetzt viele Menschen oder wenige. Ist es entscheidend wie lange sie auf dem Blog waren. Wenn ich genauer darüber nachdenke, ist mir die Anzahl nicht wichtig. Aber es freut mich immer total, wenn sich fremde Menschen bei mir melden und mir sagen, dass ihnen mein Blog gefällt oder das ein Gericht nun auch Teil ihres Repertoires ist. Das ist für mich eigentlich das Schönste.

• Bloggst du für dich oder für die Welt?
> Mein Blog hat ja angefangen mit meinen Freunden, die wissen wollten wie das alles bei mir geht. Ich blogge also für sie und die vielen anderen Menschen, die gerne essen und kochen oder kochen lernen wollen. Das gute an so einem Blog ist, dass man daraus noch weitere Ideen entwickeln kann. Ich möchte z.B. mit einem Freund ein EMag erstellen und dann habe ich noch die Idee mit der Kochschule in den Raum geworfen.

• Welche deiner „Kollegen“ schätzt du am meisten?
> Viele. Ich bin immer total platt wie viel Mühe in den Blogs steckt. Vor allem technischer Natur. Und auch wie sich viele „vermarkten“ und eigene Marken werden.

• Ohne welche Musik kannst du nicht leben/kochen?
> Oh das kann jetzt aber eine sehr lange Liste werden.... ich sage mal was es momentan ist: Claire, MR MRS, Faim, Boy, Roosevelt, Bombay Circle Club, Daft Punk, The Notwist, Mumford & Sons, The XX, Junip, Foster the People, Efterklang, Clueso, Breton, Broken Bells, Bon Iver, etc...

• Mit welchem Koch würdest du gerne mal ein Menü herrichten?
> Mit Herrn Witzigmann. Den kenne ich sogar schon, mein Papa war einer seiner Schüler Anfang der 70er Jahre, als er der brandneue Star am deutschen Kochhimmel war. Er ist sehr charmant, aber auch ein harter Perfektionist. Da könnte ich noch viel lernen.

• Welches Kochbuch würdest du nie aus der Hand geben?
> Ich bin eigentlich gar kein Kochbuchtyp mehr, sondern stehe eher auf Food-Maagzine wie essen + trinken, natürlich Der Feinschmecker oder auch die Deli. Ok, aber ehrlichgesagt versuche schon seit einiger Zeit eines der Haeberlin Kochbücher meinem Papas abzuluchsen. Mal sehen ob das klappt!

• Wie groß ist deine Küche?
> 14 qm.

• Was macht eine Foodbloggeschichte für dich lesenswert?
> Ich finde es immer toll, wenn man den Lesern sagt wie es dazu kam, dass man genau das gekocht hat. Denn warum ich Lust auf ein bestimmtes Gericht oder eine bestimmte Kombination habe hängt auch vom Tag ab. Ich habe letztens etwas mit Spinat gepostet. Das war mein eigener Spinat aus meinem Garten. Also erzähle ich wie es so läuft mit dem Garten, was gerade wächst, warum ich das Unkraut verfluche. Ich glaube eine Geschichte rund um das Essen ist ebenso charmant. Mein Leben ist ganz prima. Da müsste ich nicht so viel ändern. An meinem Blog, da hätte ich auf Wordpress statt auf Tumblr setzen sollen.

• Wen oder was würdest du auf eine einsame „Kochinsel“ mitnehmen? TOP3

> Foodblogs:
1. ziiikocht.at – Frau Ziii ist sowieso die Coolste weit und breit!
2. derultimativekochblog – Fritze und Frantze stehen wie ich auf Filter.
3. Krautkopf – die machen einfach die tollsten Bilder von Gemüse. Stillleben sind das. Sehr poetisch.

> Kochbuch:
1.
2.
3.

> Musikalbum:
1. Neon Golden – The Notwist
2. Clueso – An und sich
3. Bon Iver – For Emma

> Kochutensilie:
1. Silit Pfanne
2. Brandes Kochtopfset
3. mein kleines, super scharfes Gemüsemesser

• Salz oder Pfeffer?
> Salz

• Bier oder Wein?
> Wein

• Süß oder Herzhaft?
> Süß

• Hauptgang oder Dessert?
> Dessert

• „Early Bird“ oder „Night Owl“?
> Night Owl

• Ordnungsfanatiker oder Dreckspatz?
> Dreckspatz

• Kaffee oder Tee?
> Kaffee... Espresso frisch gemahlen!

• Lieblings...:
> ...messer: WMF oder Zwilling, das sucht immer mein Papa für mich aus
> ...gewürz: Kräuter, am liebsten frisch vom Küchenfenster
> ...koch: mein Papa
> ...kochzeit/tag: Abends
> ...rezept: Risotto, das habe ich in England gelernt.