Sonja aus Köln / "Küchenzicke.de"


Heute: Sonja aus Köln
Blog: "Küchenzicke.de"
http://www.küchenzicke.de/

• Stell’ dich doch einmal kurz mit Namen, Alter, Wohnort, Beruf und Hobbys vor!
> Hej, ich bin Sonja, auf dem Papier inzwischen 45 Jahre alt und wohne mit meiner Familie in Köln. Wenn ich nicht als selbständige PR- und Social Media Beraterin tätig bin, koche und plane ich gemeinsam mit meiner Mitköchin Caro das nächste Poller Guerilla Dinner oder spiele Tennis.

• Was unterscheidet deinen Blog von den Anderen?
> Mmhh, schwierige Frage - es gibt inzwischen so viele schöne und gut geführte Foodblogs für jede erdenkliche Lecker-Schmecker-Nische. Bei meinen Rezepten können sich die Leser wirklich darauf verlassen, dass die Zubereitung klappt und ich die Rezepte in praktischer Reihenfolge mit jedem Handgriff und jedem Küchentrick aufschreibe. Ich finde nichts ärgerlicher, wenn ich nachlässig geschriebene Rezepte lese, die wichtige Arbeitsschritte vergessen oder den Leser auffordern, schon mal den Backofen vorzuheizen, obwohl noch eine einstündige Ruhezeit für den Teig vorgesehen ist. Den Ofen vorzuheizen, halte ich eh für den größten Unsinn unserer Zeit (in den meisten Fällen zumindest), neuere Herde erreichen innerhalb weniger Minuten die gewünschte Temperatur - aber das ist ein anderes Thema. Das schönste Kompliment hat mir mal eine Bekannte gemacht, die meine Anleitung für einen angstfreien Hefezopf nachgebacken hat: Sie meinte, das Rezept hätte wirklich mehrfach problemlos geklappt und das sogar mit Kindern in der Küche. Außerdem schreibe ich auf der Küchenzicke über die von mir veranstalteten "Poller Guerilla Dinner" und stelle die Rezepte des jeweiligen Abends nachträglich zur Verfügung.

• Was hat dich dazu motiviert, einen Blog zu starten? Und warum überhaupt ein Foodblog?
> Mit der Küchenzicke wollte ich Ordnung in das Sammelsurium meiner Rezepte bringen - ich dachte es wäre doch praktisch, meine Rezepte jederzeit in Netz abrufen zu können.

• Wer oder was hat in dir die Leidenschaft für das Kochen/Backen geweckt?
> Ich habe mit 13 Jahren mal in mein Tagebuch vermerkt, Köchin werden zu wollen. Es wurde dann doch ein anderer Berufszweig, aber die Leidenschaft für Kochen und Genuss ist geblieben. In meiner Familie wurde immer gerne, gut und viel gekocht -schlesische Wurzeln halt - und ich habe früh gemerkt, dass man mit leckeren Gerichten und Kuchen die Herzen seiner Mitmenschen erreicht.

• Büro, Café, vom heimischen Sofa oder direkt aus der Küche – von wo aus bloggst du?
> Ideen für neue Beiträge sammel ich dauernd, geschrieben werden sie dann trotzdem ganz klassisch am Schreibtisch.

• Gibt es Lebensmittel, mit denen man dich jagen kann?
> Innereien aller Art sind mir ein Gräuel, die bekomme ich auch bei einem Sternekoch nicht runter.

• Und auf der anderen Seite: Gibt es Lebensmittel, die du am liebsten überall verwenden würdest?
> Mit Salz, Kartoffeln und Butter kann man eigentlich nichts falsch machen, oder?

• Welches Land ist deiner Meinung nach eine kulinarische Reise wert?
> Definitiv Südtirol! Die Küche dieses Fleckchen Italiens vereint die stattmachende deutsch-österreichische Hausmannskost mit südländischem Flair. Dazu sind die Südtiroler Produzenten stolz auf ihre Erzeugnisse und setzen alles daran hochwertige Nahrungsmittel zu liefern - das schmeckt man auch bei einfachen Gerichten.

• Hast du irgendeine Macke, die besonders beim Kochen/Backen deutlich wird?
> Ich kann es nicht leiden, wenn jemand hektisch am Herd wird, daher habe ich beim Kochen am liebsten meine Ruhe.

• Auf was kannst du beim Werken in der Küche so gar nicht verzichten?
> Wirklich gute, scharfe Messer sind unabdingbar für mich. Außerdem verbrauche ich bei der Zubereitung Unmengen an Schüsselchen. Wie gut, dass die Spülmaschine erfunden wurde.

• Was ist deine Inspirationsquelle? Und wo befindet sie sich?
> Ich lass mich gerne im Netz von neuen Rezepten inspirieren, gleiche sie dann mit meinen Kochbüchern ab. Wenn ich essen gehe, überlege ich immer, wie man das Gericht nachkochen könnte und ob es noch etwas zu verbessern gäbe.

• Ganz unter uns: Wie sieht es bei dir in der Küche nach deinem Experimentieren aus?
> Mäßig chaotisch, wegen der vielen Schüsseln, in die ich alles fülle. Der Boden ist das Problem - irgendwie kippt immer etwas um und rieselt herunter.

• Welches Hilfsmittel aus deiner Küche begleitet dich seit deinem Blogdebüt und wird wahrscheinlich nie ausgetauscht?
> Ich habe zu Beginn meiner Bloggerei recht schnell gemerkt, dass meine einfache Klick-und-fertig-Kamera nicht die Bilder macht, die ich mir vorstelle. Daher habe ich mir eine Digitalkamera samt Objektiv mit fester Brennweite zugelegt - die werde ich so schnell nicht austauschen.

• Hand auf ’s Herz: Sehen deine Gerichte immer so perfekt aus oder geht auch mal etwas schief?
> Wirklich perfekt sehen meine Gerichte nie aus, da ich sie nie ausschließlich für den Blog koche, sondern meist zur konkreten Sättigung meiner Familie. Ich muss mich meist noch beeilen Fotos zu schießen, bevor die Hälfte schon aufgegessen wird. Ich bewundere außerdem meine vielen Blogger-Kolleginne, denen es gelingt mit einem Holzbrettchen und einem Geschirrtuch so appetitlich gestylte Fotos anzurichten, mir fehlt da leider der Deko-Blick.

• Folgst du dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ oder ist für dich das Verkosten am Ende das Wichtigste?
> Ganz un-buddhistisch sollte am Ende das Essen gut schmecken und der Weg dahin nicht allzu lang oder verschlungen sein.

• Gute Gerichte und Lebensmittel verlieren zunehmend an Wert. Woran liegt das und was kann bzw. sollte man dagegen tun?
> Mein Reizthema, aber ich versuche mich kurz zu halten: Zu einen machen sich viele Menschen nicht mehr bewußt, wo und wie ihre Nahrungsmittel hergestellt werden und wie viele Verarbeitungsschritte zum Beispiel ein Schweinefilet durchläuft, bis es bei uns auf dem Teller landet und was mit dem ganzen Rest des Tieres geschieht. Ohne Kenntnis der ganzen Produktionsabläufe kann man als Verbraucher dann auch nur schwer beurteilen, warum die Dumping-Preise beim Discounter aus moralischer, ethischer und ökologischer Sicht eine einzige Katastrophe sind. Ich wünschte mir, dass die Menschen wieder mehr auf die Qualität ihrer Nahrungsmittel achten und nicht nur auf den Preis und zudem berücksichtigen, wann Obst und Gemüse Saison hat.

• Wie privat ist dein Blog? Was gehört für dich ins Internet und was nicht?
> Ich erzähle von mir und meiner Familie nur das, was ich beim Smalltalk auf einer Party auch erzählen würde. Die reinen Rezepte interessieren Blog-Leser nicht so sehr, sondern auch der Blick in fremde Küchen. Ein kleines Stück Privatheit muss man als Blogger also aufgeben.

• Hast du dein Smartphone oder deinen Laptop rund um die Uhr parat oder gibt es Zeiten, in denen du offline bist und es auch bleibst?
> Inzwischen muss ich mir regelrechte Aus-Zeiten auferlegen und mir mantra-mäßig vorbeten, dass ich bei Offline-Zeiten nichts verpassen.

• Wie wichtig ist dir die Anzahl deiner Leser?
> Die Zahlen sind einfach ein schönes Kompliment an mich und meine Blog, daher freue ich mich über jeden Leser.

• Bloggst du für dich oder für die Welt?
> Ich blogge über Dinge, die mir Spaß machen, mir besonders gut schmecken oder die ich für wichtig und erzählenswert halte. Diese eigenständige Haltung möchte ich mir bewahren und mich nicht verdrehen.

• Welche deiner „Kollegen“ schätzt du am meisten?
> Zu viele um hier einzelne herauszupicken: Bei manchen liebe ich die Bildsprache, andere wegen ihrer raffinierten und/oder einfachen Rezepte.

• Ohne welche Musik kannst du nicht leben/kochen?
> Ehrlich gesagt, höre ich beim Kochen kaum Musik. Mir genügen die Geräusche beim schnibbeln und brutzeln.

• Mit welchem Koch würdest du gerne mal ein Menü herrichten?
> Ich wäre gerne Lehrling bei der Familie Geisler vom Restaurant Apollonia in Sirmian (Südtirol), da kochen Vater, Großmutter und der Sohn gemeinsam.

• Welches Kochbuch würdest du nie aus der Hand geben?
> Meine beiden alten GU-Bücher "Kochen" und "Backen" - die beiden Bücher habe ich zu meinem 16. Lebensjahr von meiner Tante geschenkt bekommen. In beiden Büchern werden die Grundzubereitungsarten Schritt für Schritt anhand von Fotos erklärt - in den 80igern waren diese Anleitungen geradezu revolutionär. Ich schau immer mal wieder rein um

• Wie groß ist deine Küche?
Verhältnismäßig groß, da Küche, Esstisch und Wohnzimmer eine Einheit bilden.

• Salz oder Pfeffer?
> Salz, am liebsten zart-schmelzendes Fleur de Sel

• Bier oder Wein?
> je nach Stimmung, eher Kölsch

• Süß oder Herzhaft?
> Eindeutig süß, der Nachtisch ist für mich der wichtigste Gang

• Hauptgang oder Dessert?
> siehe oben. Ich liebe Vorspeisen und den Nachtisch, auf den Hauptgang kann ich gerne verzichten.

• „Early Bird“ oder „Night Owl“?
> Außer Sonntags morgens gehöre ich zu den Nachteulen.

• Ordnungsfanatiker oder Dreckspatz?
> gemäßigte Chaotin

• Kaffee oder Tee?
> Ohne 2-3 Tassen Earl Grey am Morgen mit Zucker und Milch fängt mein Tag nicht gut an.

• Lieblings...:
> ...messer: Gemüsemesser von WMF mit dickem, schwarzem Griff
> ...gewürz: Koriandersamen, Fenchel, Estragon
> ...koch: Lea Linster
> ...kochzeit/tag: früher Abend
> ...rezept: Zitronentarte