Tanya aus Ettlingen / "Mangelisten"


Heute: Tanya aus Ettlingen
Blog: "Mangelisten"
http://mangelisten.de/

• Name deines Foodblogs
> Mangelisten | Das Genussmagazin für alle Sinne (http://mangelisten.de/) - eine Kombination aus Manger (frz. für Essen) und Evangelist. Hat also nichts mit Mängeln zu tun.

• Stell’ dich doch einmal kurz mit Namen, Alter, Wohnort, Beruf und Hobbys vor!
> Tanya Quintieri, 37 (auf dem Papier), lebe in Ettlingen bei Karlsruhe und bin geschäftlich Teilzeiberlinerin. Hobbies? Arbeiten. Ernsthaft. Ich liebe meinen Beruf. Ist eine Mischung aus Übersetzen, Texten, Webdesign und Beratung. Daneben schlägt mein Herz für Salsa (tanzen), Musik (hören), Essen (nicht die Stadt) und natürlich meine Blogs.

• Was unterscheidet deinen Blog von den Anderen?
> Hm, vermutlich, dass ich kaum eigene Rezepte vorstelle. Und wenn, dann sind die bedingt alltagstauglich. Außerdem bin ich nicht wirklich thematisch festgelegt. Bei mir geht es weniger um Nahrung als um Genuss ganz allgemein und die Sinnlichkeit von Essen und seiner Zubereitung im Speziellen. Es gibt viele Kategorien auf mangelisten.de und das Ganze braucht bestimmt noch etwas Zeit um zu dem zu werden, was ich ursprünglich erschaffen wollte. Ich glaube, ich bin noch nicht mutig genug gewesen, im ersten Jahr. Aber so langsam komme ich in Fahrt.

• Was hat dich dazu motiviert, einen Blog zu starten? Und warum überhaupt ein Foodblog?
> Öhm, die Schreiblust. Ich habe für einen Freund, der für die Sternefresser schreibt, mal einen Restaurantbesuch hinterher in Worte gepackt und er fand das gut. Seltsamerweise ist genau der Beitrag beim Umzug meines Blogs von einem Server auf den anderen verloren gegangen. Und ein Foodblog weil – ihr dürft mich gerne zitieren – Essen etwas ist, das uns allen gemein ist und gleichzeitig gibt es nichts, das uns mehr voneinander trennt.

• Wer oder was hat in dir die Leidenschaft für das Kochen/Backen geweckt?
> Beim Kochen liebe ich es mit gutem Fleisch zu arbeiten. Persönlich geht mir beim Kochen eher um den Prozess, weniger um das Essen hinterher. Ein Stück Fleisch zu berühren, zu fühlen, was es werden will, wie ich das Beste aus ihm herausholen kann – das finde ich am Kochen faszinierend. Die Leidenschaft für das Kochen fand ich definitiv in den Gesichtern der Menschen, für die ich anfangs gekocht habe. Aber generell schaue ich lieber anderen beim Kochen zu. Oder versuche die Empfindungen des Kochs nachzuvollziehen, wenn ich im Restaurant esse. Bin ein Sterneküchen-Fan. Nicht wegen des „Luxus“, sondern wegen des Handwerks. Generell finde ich alles schön, was Können, Kreativität und Zeit braucht.

• Büro, Café, vom heimischen Sofa oder direkt aus der Küche – von wo aus bloggst du?
> Von überall, sei es im Flieger, im Zug, bei einer Konferenz oder eben abends im Bett. Und meist spontan. Artikel, an denen ich zu lange sitze und feile, die gefallen mir persönlich nicht. Es muss eine Momentaufnahme sein. Dann ist es authentisch und nicht für die Zugriffszahlen geschrieben. Ich schreibe für mich. Es ist mein Ventil.

• Gibt es Lebensmittel, mit denen man dich jagen kann?
> Ja, und die Köche in meinen Lieblingsrestaurants wissen das: Frosch, Schnecke, Taube. Nein, nein, nein. Generell probiere ich zwar alles, aber die drei Sachen dann eben weniger gern.

• Und auf der anderen Seite: Gibt es Lebensmittel, die du am liebsten überall verwenden würdest?
> Gutes Brot und tolle Butter. Frische Kräuter, ganz wichtig!

• Welches Land ist deiner Meinung nach eine kulinarische Reise wert?
> Deutschland. Wir haben hier echt fantastische Produkte, tolle Küchen, regionale Juwelen. Manchmal liegt das gute doch so nah. Wenn es doch Ausland sein soll: Spanien und die Karibik.

• Hast du irgendeine Macke, die besonders beim Kochen/Backen deutlich wird?
> Ja, wenn ich keine Lust habe, wird es nichts. Anderswo kann ich das kaschieren. In der Küche nicht. Auch das „in-den-Kochtopf-linsen“ kann ich nicht ab. Da werde ich latent aggressiv.

• Auf was kannst du beim Werken in der Küche so gar nicht verzichten?
> Wein, Musik und Alleinsein.

• Was ist deine Inspirationsquelle? Und wo befindet sie sich?
> Ich finde, das ist eine sehr persönliche Frage. Zumindest wäre meine Antwort sehr persönlich. Aber ja, hat mit Sinnlichkeit zu tun.

• Ganz unter uns: Wie sieht es bei dir in der Küche nach deinem Experimentieren aus?
> So wie vorher auch. Nur der Boden ... Habe schon überlegt, ob ich mir zum Kochen Schuhe mit Spikes kaufe.

• Welches Hilfsmittel aus deiner Küche begleitet dich seit deinem Blogdebüt
und wird wahrscheinlich nie ausgetauscht?
> Das Kellnermesser.

• Hand auf ’s Herz: Sehen deine Gerichte immer so perfekt aus
oder geht auch mal etwas schief?
> Wenn ich eines nicht kann, dann anrichten. Das überlasse ich anderen. Aber essen kann ich.

• Folgst du dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ oder ist für dich das Verkosten am Ende das Wichtigste?
> Der Weg ist das Ziel. Und er fängt schon beim Einkaufen an. Oder idealerweise beim Anpflanzen.

• Gute Gerichte und Lebensmittel verlieren zunehmend an Wert. Woran liegt das und was kann bzw. sollte man dagegen tun?
> Wie viel Platz habe ich hier? Nein ernsthaft. Ich denke, das liegt an der Schnelllebigkeit unserer Zeit. Und daran, dass wir Gott spielen, in dem wir Erdbeeren im November haben müssen und deshalb „kultivieren“. Es muss alles schneller, billiger und einfacher gehen. Das bricht einem echt das kulinarische Herz. Wenn man sich mal damit beschäftigt, wie lecker etwas vermeintlich banales wie Brot schmecken kann und damit, wie es hergestellt wird, dann kann kein normaler Mensch erwarten, dass es nur 2 Euro pro Kilo kostet. Ich habe schon Brote gegessen, für die würde ich 15 Euro pro Kilo zahlen (Achtung, Geheimtipp: Restaurant Urgestein in Neustadt an der Pfalz). Die meisten Leute sind einfach nicht mehr bereit, preiswert einzukaufen. Wenn etwas einen Wert hat, dann ist es auch seinen Preis wert. Das liegt aber nicht daran, dass wir geizig sind. Wir sind nur so schnell im Alltag unterwegs, dass „Convenience“ zur Normalität und das Handwerk schlicht aus den Augen verloren wurde. Wer weiß denn heute noch, wie ein Joghurt entsteht? Oder wie man etwas einweckt? Da lobe ich mir Köche wie Matthias Schmidt, (noch) von der Villa Hammerschmiede. Aber das ist eine andere Geschichte. Spannend wird sicherlich auch die Küche von Billy Wagner in Berlin (nobelhartundschmutzig.de)

• Wie privat ist dein Blog? Was gehört für dich ins Internet und was nicht?
> Nun, da ich von Emotionen schreibe, sind beide meiner Blogs schon recht privat. Oder sagen wir: persönlich. Aber generell bin ich ein sehr offener Mensch, der sein Herz auf der Zunge trägt. Darum habe ich viele Kanäle für das, was ich meine von mir geben zu müssen. Ich denke, meine Leser, Follower und Liker können sich das raussuchen, was sie von mir lesen oder wissen wollen. Beruflich und privat. Vielleicht bin ich ein wenig Netz-schizophren. Mal beruflich tough, mal privat verletzlich. Aber so bin ich auch im realen Leben. Deshalb wird man nie etwas von mir im Netz finden, das ich nicht auch einer fremden Person in der U-Bahn erzählen würde.

• Hast du dein Smartphone oder deinen Laptop rund um die Uhr parat oder gibt es Zeiten, in denen du offline bist und es auch bleibst?
> Smartphone, iPad, Laptop ... sind immer an. Würde gerne behaupten, dass es nicht so ist. Aber ich kann nicht ohne. Wenn ich nachts aufwache und etwas besonders schönes oder besonders schlimmes geträumt habe, kann man davon ausgehen, dass ich das twittere.

• Wie wichtig ist dir die Anzahl deiner Leser?
> Gar nicht. Zumindest nicht für das Ego. Lieber berühre ich nur eine Person, als dass ich mit Oberflächlichem die Massen streife. Für den Königsweg fehlt mir leider die Zeit. Also dafür, mich so intensiv um die Blogs zu kümmern, dass ich die Massen berühren könnte. Andererseits erhöht die Schlagzahl natürlich die Möglichkeit einer vielfältigen Kommunikation. Ich bin gerne im Dialog mit meinen Lesern.

• Bloggst du für dich oder für die Welt?
> Für meine Welt.

• Welche deiner „Kollegen“ schätzt du am meisten?
> Da gibt es viele. Axel Herrmann zum Beispiel, wenn es um Foodblogs geht. Er schreibt, wie oben erwähnt, für Sternefresser. Unter den Köchen den Steffen Sinzinger mit seiner Berliner Speisemeisterei. Der steckt echt viel Herzblut und Arbeit da rein. Abseits vom Herd lese ich gerne die Blogs von Kai Thrun (kaithrun.de) und einige andere fachlich relevante Blogs, die mit meinem Job zu tun haben.

• Ohne welche Musik kannst du nicht leben/kochen?
> Unterschiedlich. Kommt wirklich auf meine Laune an. Zurzeit läuft mal wieder das Album ‚Mind Body & Soul’ von Joss Stone rauf und runter. Dazwischen ein paar Songs von The Weekend, Prince und Ray J.

• Mit welchem Koch würdest du gerne mal ein Menü herrichten?
> Das Vergnügen hatte ich schon einige Male. War bei einigen Sweettanks der Sternefresser dabei. Aber total gerne würde ich mit dem neuen Koch von Billy Wagner mal in der Küche stehen. Nobelhart und Schmutzig (nobelhartundschmutzig.de) wird bestimmt der Knaller. Und völlig unrealistisch: Mit Grant Achatz in Chicago.

• Welches Kochbuch würdest du nie aus der Hand geben?
> Mein eigenes. Also so ein Notizbuch. Und ein Kochbuch, das ein Jahresprojekt an einer US-High-School war, das mir eine Schülerin vor ein paar Jahren geschenkt hat. Da sind ganz wundervolle Familienrezepte auf über 200 Seiten gesammelt worden. Die echte amerikanische Küche quasi, die einiges zu bieten hat. Das wird hier in Deutschland nur leider nicht wahrgenommen.

• Wie groß ist deine Küche?
> Ich glaube, sie hat so 12 qm. Ist aber offen zum Esszimmer und Wohnzimmer. Abgetrennt mit einer Kaffee-Bar. Mir war wichtig, als ich mein Haus gebaut habe, dass Küche und Lebensraum eins sind.

• Was macht eine Foodbloggeschichte für dich lesenswert?
> Ehrlichkeit. Gute Fotos. Persönlichkeit.

• Und zu guter Letzt ein Klassiker: Wenn du die Zeit zurückspulen könntest, was würdest du an deinem Leben (und vielleicht an deinem Blog) ändern?
> Wieder so eine persönliche Frage. Eines der ersten Dinge, die ich ändern würde, wäre ... ich hatte schon einen Platz am Nappa Valley College of Culinary Arts. Bin dann aber weggezogen aus Kalifornien und habe diesen Traum nie verwirklicht. Ich wollte Sommelier werden und eine Kochausbildung machen und dann irgendwo an der Nordkalifornischen Küste ein kleines – aber feines – Fischrestaurant eröffnen. Den Traum habe ich vor 21 Jahren begraben.
Vor 15 Jahren hatte ich eine eigene kleine Gastronomie und ich hatte null, aber so was von null Ahnung. Hab das natürlich voll gegen die Wand gefahren. Aber ich habe viel in der Zeit gelernt. Der 22-jährigen Tanya würde ich dieses Projekt trotzdem ausreden. Das hat mich richtig, richtig viel Geld gekostet und es war nicht wirklich gut für die Familie, weder für die Kinder noch für mich als Mutter. Die Jahre danach waren echt schwer, weil ich mit Wunden-lecken beschäftigt war und mich nicht nur privat, sondern auch beruflich neu finden musste.
Am Blog würde ich ändern ... nichts. Der ist ein Teil von mir und er wird sich entwickeln. Genau so wie ich mich entwickle.

• Wen oder was würdest du auf eine einsame „Kochinsel“ mitnehmen? TOP3

> Foodblogs:
1. Berliner Speisemeisteri (http://steffensinzinger.de/blog/)
2. Genuss Sucht (http://www.genuss-sucht.de/)
3. Sternefresser (http://www.sternefresser.de/)

> Kochbuch:
1. keins – für gute Gerichte braucht man keine Rezepte, sondern muss den Produkten „zuhören“. Die sagen einem schon, was sie werden wollen.
2.
3.

> Musikalbum:
1. Legendary Status, Ying Yang Twins
2. Gold Dust, Tori Amos
3. Mind Body & Soul, Joss Stone

> Kochutensilie:
1. PacoJet
2. Probierlöffel
3. Geschirrtuch

• Salz oder Pfeffer?
> Pfeffer

• Bier oder Wein?
> Wein. Bier. Wein. In der Reihenfolge.

• Süß oder Herzhaft?
> Herzhaft

• Hauptgang oder Dessert?
> Dessert mit Umami.

• „Early Bird“ oder „Night Owl“?
> Night owl

• Ordnungsfanatiker oder Dreckspatz?
> Dreckig nie, Chaos immer.

• Kaffee oder Tee?
> Kaffee in rauen Mengen

• Lieblings...:
> ...messer: ein scharfes
> ...gewürz: frische Kräuter
> ...koch: Matthias Schmidt
> ...kochzeit/tag: abends, egal wann
> ...rezept: Erdnuss-Sponge